Unter die Haut

Über die Verführungskraft des Blutes

Die alten RömerInnen wussten die Qualitäten eines guten Gemetzels noch zu schätzen, nicht umsonst stammt die alte Herrscherweisheit, das Volk wolle vor allem "Brot und Spiele" aus jener Zeit, als die Gladiatoren im Circus Maximus noch fröhliche Urständ feierten. Auch heute noch erfreuen sich blutige Splattermovies einer gewissen Beliebtheit, wenn auch der Durchschnitt fernsehtechnisch eher nur harmlose (aber trotzdem deutlich sichtbare) Blutflecken nach Schusswechseln verkraftet. Doch ein Thriller ganz ohne Verletzungen ist einfach ein bisserl fad, blutleer sozusagen.

Der lebensspendende Saft hat also in den paar Jahrtausenden Menschheitsgeschichte wenig von seiner Faszination eingebüßt, und auch uns SadomasochistInnen lässt er alles andere als kalt. Klar, im Zeitalter von Aids hat die Verführungskraft des roten Elixiers einigermaßen gelitten, man traut sich (hoffentlich) nicht mehr so unbedarft über blutige Praktiken wie noch Ende des vorigen Jahrhunderts. Doch reizvoll ist das grausam-schöne Bloodplay nach wie vor.


Um an das Blut des Sklaven heranzukommen, ist es natürlich erforderlich, dessen Körpergrenze an einer nicht direkt dafür vorgesehenen Stelle auf irgendeine Art zu überwinden (außer er erbricht es, aber dann würde ich ehrlich gesagt von einem Spiel abraten). Die Haut eines anderen Menschen zu durchbrechen, sei es nun durch Cutting (=Schneiden, das hier aber nebensächlich bleibt, weil ich es im Rahmen der letzten Kolumne, "Meins! Meins! Meins!", behandelt habe), Stechen oder eine andere kreative Methode, entwickelt stets einen ganz besonderen Zauber, der verführerisch und Angst erregend zugleich wirkt. Für beide Seiten. Das ist auch gut so, denn genau besehen ist es ja eine Körperverletzung, die da vor sich geht, und eine solche darf nie leichtfertig unternommen werden. Genau dessen ist sich eine kluge Herrin bewusst, wenn sie so ein Spiel beginnt, denn sie verletzt tiefer als es den Anschein hat. Bei Peitschen und Gerten, aber auch bei Kluppen und Klammern ist die Sachlage offensichtlich: Sie betreffen stets nur die Oberfläche, berühren den Sklaven nur an der Oberfläche, auch wenn dabei manchmal die Haut aufplatzt. Dabei kommt allerdings das Innere nach außen.


Beim Stechen oder Cutten dringst du jedenfalls aktiv in das Innere eines anderen ein, und möge ihm die Göttin helfen, wenn du bloß in seinen Körper eindringst. Das Erlebnis muss schal, nüchtern, enttäuschend bleiben, wenn du nicht gleichzeitig in der Lage bist, auch in seinen Geist einzudringen, ihn ebenso zu penetrieren wie du es mit seiner Haut machst. Du musst ihm unter die Haut gehen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. (Bevor Einwände kommen: Klar gibt es ab und an auch gute Spankingsessions, bei denen der Sklave so völlig wegtritt, dass du quasi in seinem Geist spazieren gehen kannst.)

Natürlich beginnst du langsam und natürlich am bereits aufgewärmten Sklaven, du bist ja keine Metzgerin. Außerdem blutet vorher gut aufbereitete Haut intensiver. Du erzählst ihm also vorher vielleicht, was du alles mit ihm anstellen wirst, erklärst ihm haargenau, während du seine Hände und Füße mit Fesseln fixierst, wo du überall eine Nadel, einen Schnitt, einen Stich ansetzen könntest oder ganz sicher wirst, wenn er sich besonders unwillig gebärdet.

Während du ihm den Knebel in den Mund steckst und eventuell auch die Augen verbindest, malst du ihm unter Umständen aus, welche Belohnungen in Aussicht stehen, und vielleicht bekommt er ja auch einen Vorgeschmack darauf, damit er es sich besonders gut vorstellen kann - ein nylonbestrumpftes Herrinnenbein, das an seinem Bein reibt, lange Herrinnenfingernägel, die sanft, aber bestimmt über seinen Rücken kratzen, oder ein korsettierter, gelatexter oder lederbewehrter Herrinnenleib, der sich an seinen unwürdigen Sklavenkörper drückt... Jede Herrin wird wohl ihre eigene Art haben, ihren Sklaven richtig heiß zu machen. Endergebnis wird jedenfalls hoffentlich sein, dass er sich fast schon nach Nadeln sehnt, nach Schnitten, nach seinem Blut. Und du wirst ihm seinen Wunsch natürlich gerne erfüllen.


Im Rahmen von Bloodplay sind Nadeln so etwas wie die "feine englische" Art. Sie sind ein zartes, punktgenaues und trotzdem gemeines Werkzeug der Liebe, auch wenn der Vorgang des Stechens selbst in Zeiten der Piercingmode seinen exklusiven SM-Charakter verloren hat. Sei's drum, wir werden deshalb nicht aufhören, nur weil es andere zu anderen Zwecken auch machen.

Was wir uns von guten Piercern abschauen können, ist das sterile Arbeiten, eventuell mit mediWzinischen Latexhandschuhen, an vorher desinfizierten Stellen, mit sterilen Injektionsnadeln, die es in verschiedenen Stärken in jeder Apotheke zu kaufen gibt. Unser Zweck aber ist nicht die Mutprobe oder der Körperschmuck in dem Sinn. Unser Zweck ist der reine Schmerz, die Hingabe, die Auflösung, die Erfüllung, die Prüfung, die Erregung oder auch das vergnügte Interesse an der Reaktion.

Was gibt es Schöneres, als den Widerstand zu spüren, den die Haut der Nadelspitze entgegensetzt? Wenn du das erste Mal diesen Widerstand überwunden hast, wirst du nachher nicht mehr dieselbe sein. Und dann fühlst du den Druck, den du brauchst, damit die Nadel ihren Weg unter seiner Haut fortsetzen kann, bis sie schließlich an der gewünschten Stelle wieder zu Tage tritt. Und dann noch eine... Und noch eine...

Dafür eignet sich im Prinzip jede erreichbare Hautstelle des Sklaven. Ich persönlich liebe für das Setzen von Nadeln die Brustwarzen samt unmittelbarer Umgebung, den Hodensack oder auch die Haut an der Unterseite des Penis, manchmal auch die Vorhaut (so vorhanden), wobei an dieser Stelle aber äußerst präzises Arbeiten vonnöten ist und der Sklave gut fixiert sein muss, damit er durch unkontrollierte Bewegungen nicht sich selbst oder gar mich verletzt.

Senkrechtes Stechen (im rechten Winkel zur Hautoberfläche) nehme ich nur im Bereich des Gluteus Maximus (Hinterteil) vor - da kann man dann diese kleinen Geburtstagskerzen hineinstecken und dem Spiel eine feierliche Note geben. Obwohl ich von einigen weiß, die direkt in die Hoden, den Schwellkörper oder die Eichel stechen, würde ich diese Praktiken wegen der Gefahr permanenter Schädigungen geübten Medizinern überlassen und ansonsten nur Menschen anraten, denen beim Anblick von Blut ganz sicher nicht schlecht wird. Oder ist es so schwer, sich vorzustellen, was passiert, wenn du mit einer Hohlnadel in eine voll erregte Eichel stichst...?!


Zwischendurch versichere ich mein Opfer gerne immer wieder seiner Tapferkeit, seiner heldenhaften Leidensfähigkeit, seiner Hingabe in meine Macht. Ein Streicheln über die Wange, das Kinn, den Kopf unmittelbar nach dem Stich empfindet der Sklave doppelt so stark. Und ein Griff an die Weichteile in diesem Augenblick ist fast schon elektrisierend, zumindest höchst erregend. Überaus teuflisch ist es natürlich auch, die bereits gesetzten Nadeln zu zwirbeln, sie um den unter seiner Haut liegenden Angelpunkt zu drehen und ihn dabei winseln zu hören. Oder mit der flachen Klatsche kurze Klappse draufzusetzen. Einmal links, einmal rechts, einmal links, ... So treibe ich meinen Sklaven lustvoll den Grat zwischen Himmel und Hölle entlang, bis ich mein Verlangen nach Vergnügen und Qual gestillt habe.

Schön gemein ist es natürlich auch, die Entfernung der Nadeln in das Spiel zu integrieren. Das ist vergleichbar mit dem Einbringen der Ernte, denn meistens tritt erst jetzt aus der Wunde Blut aus. Spätestens jetzt erlebst du deine zweite Initiation als Sadistin, wenn du rot auf hautfarben siehst, welchen Effekt dein Liebesspiel bei deinem Spielzeug ausgelöst hat, und wenn du die Hitze und die Feuchtigkeit zwischen deinen eigenen Schenkeln fühlst. Dann erkennst du unweigerlich, dass es dich nicht nur antörnt, einen anderen Menschen zu erniedrigen oder ihm weh zu tun, sondern dass es dich überaus prickelnd erregt, ihn tiefergehend zu verletzen, bis er dir ein Quäntchen seines Lebenssaftes schenkt.

Wenn ein blutroter Tropfen langsam und majestätisch von der Brustwarze abwärts in Richtung Lenden rinnt und seine Spur auf der Haut deines Spielgefährten hinterlässt, wirst du Zeugin eines verzauberten Augenblicks purer Ästhetik für alle Sinne. Unvergleichlich der Anblick, unvergesslich der zarte Geruch nach Schweiß und Metall, unermesslich reichhaltig das Aroma, wenn du dich satt gesehen hast und deine Zunge in das verführerische Rot tauchst, es wie einen guten Wein an deinem Gaumen verreibst, um jede Nuance zur Entfaltung zu bringen, metallisch, würzig, lebendig.


Und um das Erlebnis der fünf Sinne zu vervollständigen, lauscht du dem Seufzen und Stöhnen deines Sklaven und legst deine Hände an seine bebenden Lenden, tauchst einen Finger in das Rot und malst ihm was auch immer dir dein sechster Sinn eingibt auf seine Brust. Ein Kreuz für den tapferen Ritter zum Beispiel. Oder ein Herz für seine liebevolle Hingabe. Oder auch einen Blitz für die Erkenntnis, dass du nie wieder ohne solch übersinnliche Momente leben und lieben können wirst.

Viel Vergnügen! CaroLine

P.S.: Es sei auch in dieser Kolumne ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Praktik nicht safe und daher nur zwischen Personen zu empfehlen ist, die eine gegenseitige Ansteckung mit Aids, Hepatitis, Geschlechtskrankheiten und was auch immer ziemlich definitiv ausschließen können.

Photos: www.putzker.com/smarties

 

Post an CaroLine senden

Name:

Email:

Nachricht:

Contact me:

 

 
SM Kontakte
Rattenscharfe Kontakte für erotische Traumtänzer und fun for friendly people gibt es in unserer LustSchmerz SM Community. Über 3500 Mitglieder, garantiert fakefrei und ausschliesslich privat. Wir stehen mit unserem Namen für ein seriöses Angebot und bieten einen kostenlosen Testzugang zum Reinschnuppern bei www.LS-Community.de >>
Spacer
Best of Toys!
Suspension für Geniesser: Geniale Ledermaske, komplett geschlossen, mit Knebel, Schnürverschluß, in tiefschwarz. Besonders aufwendig gearbeitete Ausführung, mit separat abnehmbaren Klappen für Augen und Mund. Mundstück mit Gummiknebel (bißfest). Integriertes, verstellbares Lederhalsband mit Schloßsicherung (Schloß im Lieferumfang enthalten).  >>
Spacer
Fernbedienung!
Stimulation per Fernbedienung hat einen besonderen Reiz! Das willige Opfer im Restaurant, im Bus oder in der Oper zu orgiastischen Höhenflügen per Knopfdruck zu treiben... wer hat nicht schon davon geträumt? Im LS Online Shop haben wir einige neue Produkte mit Fernbedienung aufgenommen. Ob klitoral oder anal, per Anruf, oder SMS... die Hersteller sind einfallsreich und haben einige spannende Produkte zu günstigen Preisen auf den Markt gebracht. >>
Spacer
LS Downloads
Kompetente Hilfe geben wir Euch mit unseren Briefen für Ehepartner und Angehörige an die Hand, die sich erstmalig mit Eurem Outing konfrontiert sehen. Aber auch Verträge und Neigungsfragebögen, für die manches SM Herz schlägt, bieten wir an. >>
Spacer
LS Fanartikel
Zum neuen LS Gesicht gibt es natürlich auch jede Menge toller Devot-Ionalien fürs Büro und Zuhause. Tassen, Mousepads, T-Shirts, Taschen, bedruckt mit dem unverwechselbaren, sexy Lustschmerz Logo. Viel Spaß mit unserem lustvollen Merchandising Mix zum Bestellen! >>
Spacer
 

[ Home | Impressum | Kontakt | Media-Daten ]
© Das Copyright für sämtliche Inhalte dieses Magazins liegt bei LustSchmerz Hamburg oder den Autoren.
Jegliche Verwendung von Texten bedarf einer schriftlichen Genehmigung.

LustSchmerz Community LustSchmerz Shopping Home