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"Schicksal": eine berührende Fem-Dom Story von Joachim
1. Blick in die Vergangenheit
Der Bus hielt. Die Türen öffneten sich, und eine ganze Flut von Menschen drängelte sich hinaus, während vor den Eingängen andere Menschen darauf warteten, das Fahrzeug zu betreten. Auch der ältere freundliche Herr neben ihr erhob sich schwerfällig von seinem Platz. Sie lächelte ihm freundlich an, als er zur Tür ging, und sein altes Gesicht wurde warm, als er es bemerkte, und er nickte ihr kurz zu. Dann war auch er verschwunden - sie sah ihn noch kurz draußen stehen, ein wenig unschlüssig irgendwie, vielleicht sogar etwas verloren, dann war er weg, verschluckt von einer anonymen Masse, in der das Schicksal Einzelner nur wenig zu zählen scheint.
Noch zwei Stationen, dann würde auch sie aussteigen. Simona ließ die Häuser draußen vorbeigleiten, große, gleichfalls anonyme Bauten, hier im Zentrum fast alle mit Geschäften im Erdgeschoss, deren bunte Schaufenster und große leuchtende Schriftzüge sich die Aufmerksamkeit von potentiellen Käufern zu erhaschen suchten. Sie fühlte, wie sie sich einer Art Trance näherte, eingelullt von den zum Lesen zu schnell vorbeiziehenden Eindrücken farbiger Lichter und sich bewegender Gestalten. Ihre Gedanken wanderten zu Martin.
Sie hatte ihn durch Zufall kennen gelernt, vor knapp einem halben Jahr. Damals war sie mit ihrer Freundin in einem in Szenekreisen sehr bekannten Fetischgeschäft gewesen, größtenteils, um einfach mal zu stöbern, aber auch mit dem Hintergedanken, sich vielleicht ein schickes neues Teil anzuschaffen. Hatte sie nicht vor kurzem diese wundervolle Korsage gesehen, die sie förmlich anzulachen schien? Oder diese silbernen Schuhe, High Heels vom feinsten? In ihrer Börse fand sich jedenfalls genug Geld für mindestens ein größeres Teil, vielleicht auch noch für ein oder zwei preiswertere Zugaben. Sie hatte extra dafür gespart.
Während sie die Regale inspizierte und mit Bedauern feststellte, das die begehrten Schuhe nicht mehr dort waren, bemerkte sie immer wieder den Blick eines Mannes, der auf der anderen Seite des Ladens ebenfalls ein Regal voller SM-Spielzeug begutachtete, der jedoch immer wieder zu ihr herüberschaute, um dann erschreckt die Augen zu senken, als hätte er sich selbst bei einer Untat ertappt. Überhaupt machte er ein wenig den Anschein, als wäre er am liebsten unsichtbar - er schien sich zu schämen, in solch einem Laden zu sein, wo sich ja oft Leute aufhielten, die nicht zu den Menschen gehörten, welche man nach gesellschaftlicher Norm als "normal" bezeichnen" würde. Sein Verhalten ließ ihn ängstlich erscheinen, fluchtbereit, doch gleichermaßen so unendlich neugierig, angezogen von den süßen Verlockungen des "Verbotenem". Sie wartete einen Moment, bis er wieder einmal aufschaute, fing seinen Blick und zwinkerte ihm zu. Er errötete beinahe auf der Stelle und schaute vor Verlegenheit sofort auf einen imaginären Punkt irgendwo neben und hinter ihr, und Simona konnte sich ein Kichern nicht mehr verkneifen. Sie gluckste immer noch, als sie mit der Korsage, die wenigstens noch zu bekommen war, in der einzigen Umkleidekabine verschwand.
Als sie, nur noch von diesem neuen Kleidungsstück bedeckt, wieder in den Ladenraum trat, rechnete sie fast damit, das der Mann weg war - doch er war immer noch da, hückelte vor jenem "Spielzeug-Regal" und hielt ein Paar schwere Lederfesseln in den Händen, die er mehr bewundernd als kritisch von allen Seiten begutachtete. Er war so gefangen von seiner Tätigkeit, dass er nichts anderes wahrzunehmen schien. Und Simona merkte außerdem das erste mal, das er ihr auch nicht unsympathisch war. Vielleicht könnte man ja mal... Sie schlich sich leise von hinten an ihn heran, bis sie nur noch knapp einen Schritt hinter ihm stand. Er hatte tatsächlich nichts bemerkt.
"Das Hückeln ist ja für den Anfang ganz schön, aber ich fände es doch noch bedeutend angenehmer, würdest Du vor mir knien!"
Der Mann drehte sich herum wie von der Tarantel gestochen - wobei er allerdings zu vergessen schien, das seine Position für schnelle Bewegungen nicht gerade geeignet, da nicht sonderlich stabil war. Das Ergebnis war, das er nun wirklich nach vorne auf die Knie kippte und entsetzt zu ihr aufschaute. Simona hatte echte Probleme, ernst zu bleiben. "Schon viel besser. Und jetzt reich mir die Fesseln, dass ich sie Dir anlegen kann!" Tatsächlich hoben sich die Arme, im Zeitlupentempo, wie ein langsamer Reflex, und streck- ten ihr die Handfesseln entgegen, während der Fremde sie weiterhin mit einem ertappt - entsetztem Gesichtsausdruck anstarrte. Simona kicherte erneut. "Mann bist Du süß..."
Sie machte gerade Anstalten, die ledernen Manschetten anzunehmen, als ein Blitz sie nun selbst herumfahren ließ. In wenigen Metern Entfernung stand ihre Freundin und ließ gerade ihren Fotoapparat sinken. Sie grinste. "So was muss man einfach für die Nachwelt erhalten."
Simona war zunächst sprachlos, dann war es mit ihrer Selbstbeherrschung entgültig vorbei, und sie prustete los. Dann reichte sie dem Fremden ihre Hand, die er sogar ergriff, wenn auch ein wenig scheu und vorsichtig, und zog ihn hoch. "Na, da haben wir uns ja in was hineinmanövriert."
Eine Pause. Der Gesichtsausdruck des immer noch sprachlosen Mannes war allerdings inzwischen von entsetzt zu nur noch eher ängstlich-fragend gewechselt.
"Und schau doch nicht so unglücklich, ich beiße wirklich nicht. Ich heiße Simona."
"Martin." Er schien mit sich zu ringen. "Sind Sie... bist Du eine Domina?"
"Das kommt darauf an, was Du unter einer Domina verstehst. Wenn Du eine Frau meinst, die Dir gegen Geld eine Dienstleistung verkauft, dann bin ich es nicht. Wenn Du aber damit meinst, dass ich dominant und/oder sadistisch bin, dann lautet die Antwort ja."
Sie schaute ihn langsam von oben bis unten an, was ihn wieder erröten ließ. "Und was ist mit Dir? Bist Du mein Gegenstück? Devot und Maso?"
"Ich weiß nicht. Hab's nie ausprobiert. Aber ich glaube schon." Dann, etwas leiser: "Meine Phantasien gehen jedenfalls dahin."
"Hättest Du etwas dagegen, wenn wir uns mal etwas näher kennenlernen?"
"Ääh, nein, bestimmt nicht. Vielleicht können wir uns ja mal treffen?" Simona lachte. "Ha! Nur nicht so unverbindlich! Du wartest jetzt schön hier, bis ich meinen Einkauf erledigt habe, und dann gehen wir zusammen erst mal einen Kaffee trinken. Sag, hast Du heute noch was vor?"
"Ääh, nein, eigentlich nicht..."
"Gut, dann gehört der Rest Deiner heutigen Zeit mir!"
Simona lächelte leise in sich hinein, als diese Erinnerungen an ihrem inneren Auge vorbeizogen. Der Bus hatte erneut gehalten, und nur noch eine Station trennte sie von ihrem Ziel. Ja, so hatte sie ihren Martin kennengelernt, den Mann, den sie heute liebevoll Sklave M nannte, der sie als "meine schöne Lady" bezeichnete, und mit dem sie gemeinsam ein zukünftiges Leben plante.
Damals hatten sie sich zunächst beschnüffelt und sich beide für sympathisch befunden. Es hatte einige private Sessions und erste Party-Besuche gegeben, bei denen sich ihr erhofftes Zusammenpassen zu betätigen schien. Sie waren sich immer näher gekommen, ein erster zarter Hauch von Liebe war entstanden, und gleichzeitig hatten beide gemerkt, das SM ihnen zwar wichtig war, doch ihre wahre Freude im Leben von DS bestand. Simona liebte es zu führen, Entscheidungen zu treffen, im dominanten Spiel, noch mehr aber im realen Leben - Martin liebte es, Simona zu dienen - nicht nur, wenn er sein "Outfit" anlegte, sondern immer und überall. Und inzwischen machte es ihm nichts mehr aus, in der Öffentlichkeit zu knien, wenn sie es verlangte, oder das Halsband zu tragen - ihre Selbstbewusstheit und Stärke begann mehr und mehr, auf ihn zu wirken und seine eigenen Kräfte freizusetzen. Beide hatten zu einer Beziehungsform gefunden, die ihre Neigungen fließend in ein "normales" Leben integrierte, und beide waren glücklich damit. Und wenn es nach Simona ging, sollte dies sich nie mehr ändern.
Der Bus hielt an einer Ampel - noch einmal Abbiegen, und die Türen würden sich erneut zum Ein - und Aussteigen öffnen. Simona tastete sicherheitshalber nach ihrer Handtasche, verließ ihren Platz und ging zur Tür. Nun war sie nur noch wenige Minuten von ihrem verabredeten Treffpunkt entfernt. Kurz darauf schlenderte sie den Gehweg entlang. Von weitem sah sie bereits Martin stehen - er war pünktlich wie immer. Sie schaute auf die Uhr und seufzte. Und wie immer musste er auf sie warten, weil sie selbst mit der Pünktlichkeit auf Kriegsfuß stand. Eigentlich hätte sie einen Bus früher nehmen müssen, um rechtzeitig anzukommen. Doch sie hatte nie ein Stirnrunzeln von Martin gesehen, nie einen Vorwurf, ein böses Wort diesbezüglich. Was es für sie tatsächlich noch schlimmer machte, wusste sie doch um ihre Schwäche, und nicht zum ersten mal beschloss sie, etwas daran zu tun. Doch diesmal war es ihr bitterernst, und sie nahm sich vor, wirklich ernsthaft daran zu arbeiten. Sie überlegte sich, wie sie es wohl anstellen konnte, sich daran zu erinnern - sie hörte nicht den Tankwagen, der sich hinter ihr näherte, und sie ahnte auch nichts von dem betrunkenen Autofahrer, der seinen Opel Vectra mit viel zu hoher Geschwindigkeit auf die nächste Kreuzung zusteuerte. Das letzte, was sie wahrnahm, war Martins Blick, der sie erkannte, und der unmittelbar danach in fassungslosem Schrecken erstarrte, war ein lautes Krachen, das Geräusch von zerreißendem Metall, ein Knall, der das Universum auszulöschen schien, und Hitze, ungeheure Hitze, in der sie verbrannte - dann kam die Nacht, und ein letzter ersterbender Gedanke fragte angstvoll, ob es einen neuen Morgen geben würde....
2. Die Gegenwart
Das erste Erwachen war nicht mehr als ein Hauch von Bewusstsein - es gab Wahrnehmung, rudimentär und grob zwar, aber nach der Dunkelheit beinahe mehr als genug, um damit fertig zu werden; doch es noch kein Ego, was diese Wahrnehmung interpretierte. Und das war auch gut so, denn die primäre Wahrnehmung bestand aus Schmerz. Es dauerte nur Sekunden, und der Bewusstseinsfunken erlosch wieder, fiel zurück ins Vergessen, nur um nach zeitloser Ewigkeit erneut zu erwachen.
Es brauchte mehrere Anläufe des Bewusstseins, aus der Tiefe des Vergessens aufzusteigen und an die Oberfläche der bewussten Wahrnehmung zu gelangen; als Simona das erste mal wirklich erwachte, hatte sie nur vage Erinnerungen an etwas, was wie ein böser Traum wirkte. Und zunächst war sie sich nicht sicher, ob sie immer noch träumte. Ihre Gedanken waren langsam und träge, ihr Körper schien noch nicht ganz ihr zu gehören, und sie bekam die Augen nur schwer auf. Schließlich gelang es ihr, das linke Auge zu öffnen - das rechte schien von einem Widerstand zugehalten zu werden. Auch ihr Blick brauchte eine Weile, um aus einer unscharfen Nebelwelt klare Konturen werden zu lassen. Die Konturen eines Gesichtes. Eines vertrauten Gesichtes.
"Martin!?"
Sie erschrak beinahe vor ihrer eigenen Stimme - leise und krächzend, und es schmerzte in ihrem Hals, als sie versuchte, die Worte auszusprechen.
"Ich bin da, Liebes." Sie fühlte eine Hand, die ihre Linke ergriff und sanft, unendlich sanft drückte. Sie erwiderte den Druck, und wunderte sich, wie kraftlos ihr Griff war. Was war los mit ihr? "Sag... was ist geschehen?"
"Es gab einen Unfall, und Du wurdest verletzt."
"Ich kann mich gar nicht erinnern."
"Ich weiß, die Ärzte sagten so etwas."
"Wie schlimm ist es?"
"Nicht so schlimm, als das es die Ärzte nicht wieder hinbekommen. Mach Dir keine Sorgen. Und denke immer daran, dass Du mich hast. Gemeinsam schaffen wir das." Simona fühlte, das Martin ihr auswich. Er log sie nicht an, verschwieg ihr aber etwas. Zuerst wollte sie ihn darauf ansprechen, doch dann fühlte sie, dass sie noch lange nicht in der Lage dazu war, mit Schwierigkeiten oder Unbill fertigzuwerden. Sie beschloss, ihn später zu fragen. Und noch während sie sich dies vornahm, verbrauchte sich ihre Kraft, und sie schlief erneut ein - diesmal aber in einen gesunden Schlaf der Genesung, fernab von dem traumlosen Vergessen der vorhergehenden Bewusstlosigkeit.
"Wo ist Martin?"
Simona fühlte Panik aufsteigen. Das erste Mal war sie alleine erwacht, und fühlte sich unendlich verloren. War überhaupt jemand hier?
Das freundliche Gesicht einer Schwester schob sich in Ihr Gesichtsfeld. "Ich habe ihren Freund nach Hause geschickt. Er war total übermüdet von der Wache an ihrem Bett. Ich konnte ihn überzeugen, dass es für sie Beide besser ist, wenn er sich ein wenig ausruht. Er kommt sicherlich bald wieder."
Simona seufzte und nickte. "Natürlich. Der Ärmste. Wie lange war er denn hier?"
"Die ganzen letzten vier Tage. Er war nicht davon zu überzeugen zu gehen. Hat im Sitzen gedöst. Doch viel länger hätte er nicht durchgehalten. Wir haben ihm ein Taxi gerufen - er war nicht mehr fahrtauglich."
"Vier Tage?" Simona hatte es herausschreien wollen, doch ihre Stimme war kaum lauter als vorher. Die Schwester nickte. "Ja - sie haben beinahe ununterbrochen geschlafen. Doch das war gut so, sie liegen jetzt auf einem normalen Zimmer - ihr Zustand hat sich soweit stabilisiert, dass wir es verantworten konnten, sie von der Intensivstation wegzuverlegen."
"Vier Tage..."
"Haben sie Schmerzen?" Simona dachte nach, was diese Worte zu bedeuten hatte, dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit das erste Mal auf ihren Körper. Ihre gesamte rechte Körperhälfte tat deutlich weh, vor allem der Arm, das Bein, ihr Hals und die rechte Gesichtshälfte. Sie nickte. "Ja... was ist geschehen?" Sie versuchte sich aufzusetzen, was ihr nicht gelang. Doch sie schaffte es, den Kopf etwas zu heben, was die Schmerzen in ihrem Hals deutlich verschärfte. Doch was sie dann sah, ließ sie den Schmerz zunächst einmal vergessen. Ihr ganzer Körper war mit weißen Binden umwickelt. Ihr Kopf fiel kraftlos zurück. "Oh mein Gott..."
"Ich hole Ihnen etwas gegen die Schmerzen!" Die Schwester machte Anstalten zum gehen. Simona hob den Arm, wie um sie zurückzuhalten. "Bitte warten Sie."
"Ja?"
"Was ist unter den Verbänden?"
"Ich weiß nicht ob ich..."
"Bitte sagen Sie schon. So schlimm wird's schon nicht sein." Simona fühlte insgeheim, dass sie stärker tat als sie im Moment war. Was würde sie zu hören bekommen? "Sie haben schwere Verbrennungen erlitten. Ehrlich gesagt ist es ein Wunder, dass Sie überhaupt überlebt haben."
Simone fühlte, wie der Boden unter ihren seelischen Füßen wegbrach. Verbrennungen? Aber das würde bedeuten... nein, das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein. "Unter welchem Verband sind die Verbrennungen? Und was habe ich sonst noch abbekommen?" Ihre Stimme klang genauso emotionslos, wie sie gerade in diesem Moment nicht war. Und dann bestätigte sich das, was nicht sein durfte. Die Antwort der Schwester war wie ein herabsausendes Fallbeil, was ihren Lebenswillen auszulöschen drohte.
"Sie haben nichts anderes als Verbrennungen, von ein paar Prellungen mal abgesehen."
"Überall dort, wo...?"
Die Schwester nickte. "Ja," sagte sie leise. "Ich hole Ihnen etwas gegen die Schmerzen." Als die Schwester sich erneut zur Tür wandte, war dies beinahe wie eine Flucht.
Als Martin einige Stunden später das Zimmer betrat, mit einem riesigen Strauß Blumen in der Hand, fand er Simona in einem lethargischen Zustand, und die Verzweiflung stand in ihren Augen.
3. Blick in die Zukunft
Für Simona brach eine ganze Welt zusammen. Verbrennungen! Überall dort, wo Verband war. Oder noch mehr, überall dort, wo es weh tat. Und das war die gesamte rechte Körperhälfte. Mehr oder weniger. Und das war Ihr Gesicht. Also großflächige Verbrennungen! Das würde heißen, das Narben zurückblieben. Scheußliche Narben, die sie entsetzlich entstellen würden. Sie schaute in einen virtuellen Spiegel vor ihrem inneren Auge und sah nichts anderes als eine entstellte Fratze, die sie höhnisch grinsend anschaute. "Hast Du Dir nicht immer so viel auf Deine Schönheit eingebildet? Sie nur, was davon übrig geblieben ist!" schien sie sagen zu wollen.
"Das ist nicht wahr!" schrie sie in Gedanken der Fratze entgegen. Doch sie musste zugeben, dass die Fratze nicht ganz unrecht hatte. Ja, sie hatte sich selbst als attraktiv und recht hübsch angesehen, und hatte auch nicht selten versucht, diesen Trumpf zu ihrem Vorteil einzusetzen. Sie hatte mit Outfits ihr Aussehen betont, hatte versucht, attraktiven Männern den Kopf zu verdrehen. Manchmal hatte sie mit den Gefühlen ihrer "Opfer" gespielt sie hingehalten und mit vagen Andeutungen in der Ferne schmachten lassen. Früher, bevor sie Martin kennengelernt hatte. Doch seitdem hatte sie sich geändert. Sie wollte nur noch für ihn attraktiv sein, wollte, dass er sie bewunderte und stolz auf sie war. Wollte allen zeigen, warum er sie seine "schöne Herrin" nannte.
Nun war auch das vorbei. Sie hatte alles verloren. Ihr ansehnliches Gesicht. Ihren attraktiven Körper. Und bestimmt auch Martin. Was konnte er jetzt noch anderes für sie empfinden als nur noch Mitleid? Sie fühlte sich so unendlich alleine, verlassen. Sie verfluchte das Schicksal, ihr ganzes leben, Gott und den Teufel. Sie fühlte Wut und Hass, Trauer und Verzweiflung. Doch dann siegte die Liebe, und sie begann sich um Martin zu sorgen. Wenn sie schon nicht mehr glücklich sein konnte, dann sollte wenigstens er es sein. Sie traf eine Entscheidung.
"Martin, Du musst Dir eine neue Herrin suchen!" Simona brachte die Worte nur mühselig zwischen ihrem Schluchzen heraus. Sie lag geborgen in Martins Armen, wünschte sich, sie könne immer dort liegen. Und doch verlangte sie von ihm, zu gehen. Ihr wollte es das Herz zerreißen.
Martin schüttelte den Kopf. "Warum sollte ich das tun? Liebst Du mich nicht mehr?" In seinen Augen flackerte Angst auf.
"Doch... ich liebe Dich sehr..."
"Aber warum soll ich dann gehen? Mir eine neue Herrin suchen? Ich versteh nicht..."
"Ich kann nicht mehr das für Dich sein, was ich für Dich war..." Ein Weinkrampf schüttelte ihren Körper.
"Du bist für mich immer noch, was Du für mich warst, und das wirst Du auch bleiben."
Simona schüttelte heftig den Kopf. "Sieh mich doch an. Meine ganze rechte Körperseite ist bedeckt von Brandnarben. Meine Gesichtshälfte entstellt, der Arm bis obenhin vernarbt, und das Bein unansehnlich...." Erneut versagte ihre Stimme.
Martin zog sie sehr behutsam an sich heran, ein sich im seelischen Schmerz schüttelndes Bündel aus Verzweiflung und Angst. Er fühlte sich stark in diesem Moment, unsäglich stark, und wünschte sich, er könne die ganze Bürde für sie tragen. Doch was nützte die neu gefundene Stärke, wenn er sie nicht zum Helfen benutzen konnte, fragte seine innere Stimme verbittert. Erneut formten Simonas Lippen Worte. "Ich kann nicht mehr Deine schöne Herrin sein..."
Martin streichelte behutsam ihren Kopf. "Simona, für mich wirst Du immer meine schöne Herrin sein. Meine Geliebte. Und könnte ich Dich durch meine Augen sehen lassen, wüsstest Du, das dies stimmt." Sie hob ihren Kopf, und ihre tränennassen Augen suchten seinen Blick, schauten für einen Moment in seine Seele.
"Aber wie kann das sein? Wie kannst Du mich immer noch so sehen?"
"Weil Du immer noch die Frau bist, die damals in einem Fetisch-Geschäft mein Herz erobert hat. Du hast mir seitdem so oft Deine Seele gezeigt, Deine Gedanken mit mir geteilt, und das was ich in Dir gefunden habe, kann ich nur mit einem Wort beschreiben: Ein zu Hause. Du hast mich ankommen lassen. Und ich liebe so vieles an Dir: Deine Ruhe, Deine Fröhlichkeit, Deine Stärke, und vor allem Dein Lachen. Was könntest Du anderes sein für mich als die Frau, die ich liebe?"
"Ich werde nie wieder lachen können..."
"Doch, das wirst Du."
"Ich werde meine Outfits nicht mehr tragen können. Ich will Dir nicht so entstellt gegenübertreten..." "Simona, und wenn am ganzen Körper entstellt wärest, würde ich es nicht sehen, egal ob Du in Alltagskleidung, im Outfit oder nackt vor mir ständest..."
Ihre Augen schauten ihn an, und er sah das erste mal einen winzigen Hoffnungsschimmer.
Er lächelte unendlich sanft. "Gib Dir Zeit, Deine Wunden heilen zu lassen. Lass mich Deinen Schmerz mit Dir teilen. Und lass mich Dir dabei helfen, wieder gesund zu werden. Bitte, Simona, schöne Herrin, lass mich Dir weiter dienen, nicht nur als Sklave M, sondern als Freund, als Partner, als Geliebter..."
Langsam versiegte ihr Schluchzen. Sie kuschelte sich ganz eng in seinen Arm. Ihre Entscheidung war hinfällig. Martin hatte diese einfach nicht angenommen. Diesmal hatte er für sie beide entschieden, und Simona war froh darum. "Bitte geh niemals von mir fort. Versprichst Du mir das?" "Das verspreche ich Dir."
"Halt mich fest..."
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"Wie soll es nun weitergehen?" Simona und Martin saßen in der Cafeteria des Krankenhauses, tranken Tee und aßen Kuchen. Noch zwei Tage, dann sollte sie entlassen werden. Doch vor diesem Tag hatte sie Angst.
"Nun, ich dachte mir, dass ich zunächst einmal mit ein paar Sachen zu Dir ziehe. Dann bist Du nicht alleine, und ich bin immer da, wenn Du mich brauchst"
"Ja, das wäre schön." - Pause. "Ich kann aber auch zu Dir kommen...."
Martin schüttelte den Kopf. "Ich denke, am Anfang ist es gut, wenn Du in der vertrauten Umgebung Deiner eigenen vier Wände bist. Du musst Dich an die Krücke gewöhnen, und da ist es nicht hilfreich, dies in einer fremden Wohnung zu tun."
Sie nickte. "Ok, das sehe ich ein. Aber auf Dauer wird es bei mir zu eng..."
"Wir können uns eine gemeinsame Wohnung suchen."
"Willst Du das wirklich?" Simona hatte sich immer noch nicht ganz an den Gedanken gewöhnt, das Martin nach wie vor zu ihr hielt. Vor allem dann nicht, wenn ihr Blick auf ihre rechte Hand fiel, die, durch die Brandnarben entstellt, um ein vielfaches älter aussah als früher, oder wenn sie in den Spiegel schaute. Dort hatten die Ärzte zwar ein wahres Wunder bewirkt, doch eine Schönheit war sie dennoch nicht mehr.
"Ja, das will ich. Und ich möchte Dich noch etwas fragen."
"Frag, Sklave!" Sie lächelte scheu. Es war das erste Mal seit dem Unfall, dass sie ihn wieder so nannte. Und sie sah, wie Martins Gesicht bei diesen Worten weich wurde. Er langte in seinen Stoffbeutel und fischte ein gerahmtes Bild heraus. Es war die Fotografie, die Simonas Freundin damals in diesem Fetischladen gemacht hatte. Er reichte es ihr. "Eigentlich hatte ich mir einen anderen Ort und eine andere Situation für diese Frage ausgesucht, doch fühle ich, das ich diese Frage jetzt einfach loswerden möchte und muss - Simona, Herrin, willst Du meine Frau werden?" Sie betrachtete das Bild, nickte nur, und fühlte Tränen aufsteigen, doch diesmal waren es Tränen der Freude...
***
Zwei Jahre später. Der Einlass zur großen Fetisch-Party hatte begonnen, und sowohl Einzelpersonen als auch Paare in den tollsten Outfits drängten durch die Eingangstüre. Simona und Martin ließen sich von der Menge mitreißen, genossen den Geruch nach Leder und Gummi und fühlten dabei ihre enge Verbindung zueinander, die nicht nur aus der Leine bestand, die Simona in der Hand hielt und die an Martins Halsband endete. Sie ließen sich treiben, staunend, wie Kinder, die so etwas zum ersten Mal erleben dürfen, und mit lachenden Augen. Simona fühlte wohl den einen oder anderen Blick, den man ihr zuwarf - sie benutzte keine Schminke, um ihre Narben zu verbergen. Doch niemand nahm Anstoß. Im Gegenteil, als ein junger Mann meinte, er würde ihren Sklaven um seine schöne und stolze Herrin beneiden, fühlte sie, das er es ehrlich meinte, und als sich eine kleine Sklavin vor ihr niederkniete und darum bat, für diesen Abend als zusätzliche Dienerin angenommen zu werden, strahlten Simonas Augen. Die Zeit des Leidens war entgültig vorbei. Zusammen mit Martin hatte sie das Leben neu entdeckt...
(c) Joachim
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