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Problematiken und Lösungen
Ein Beitrag von Julian
Warum ist eine Organisation wie die SMJG notwendig ?
Die Frage ist oft sehr kritisch beäugt worden. Die Szene im allgemeinen sieht sich nach außen hin oft nicht wirklich akzeptiert. Der lange Kampf um Toleranz ist steinig und anstrengend. Da nicht selten schon um ein Minimum an Akzeptanz gerungen werden muss, ist die hochgesteckte Frage ob Jugend in irgendeiner Form unterstützt werden sollte stehts eine strittige gewesen. Die Angst war groß, dass dies in der Gesellschaft nach einer Verführung von Jugendlichen aussehen könnte. Die schnelle Aburteilung der modernen Medien ist zurecht nicht umbedingt bei einem sensiblen Thema, wie diesem, angesehen. Sadomasochismus wird in vielen Gesellschaftsteilen noch irrtümlicherweise als "gelebte Gewalt" mißverstanden. Damit jugendliche in Verbindung zu bringen ist mit diesem Mißverständnis als Hintergrund brisant.
Die Szene, welche sich ihr Image als konsensuelle Subkultur stark erarbeiten musste, fürchtet daher den Verlust des solchen durch schlechte Publicity. Dies wäre ein starker Rückschritt für die Werbung um Toleranz. Hinzu kommen Existenzängste betreffend der Menschen, die sich namentlich in Vereinen, die SM zum Thema haben, organisieren. Ob diese nun begründet sind oder nicht mag jeder selbst beeurteilen. Ängste sind durchaus ernst zu nehmen und Entscheidungen sollte man in dieser Hinsicht auch akzeptieren können. Jedoch wird eines im Laufe der letzten wenigen Jahre klar : Es stellt sich die Frage ob es eine solche Organisation geben sollte mit Blick auf die aktuellen Fakten nicht mehr, da es keine Wahl mehr gibt. Warum dies so ist läßt sich an den folgenden Punkten festmachen :
Die Internetgeneration: Seit es in nahezu jedem deutschen Haushalt einen Internetanschluß gibt sind Jugendliche mit vielen neuen Informationsquellen versorgt. Die Entstehung der Neigung des Sadomasochismus ist bisher immernoch wissenschaftlich umstritten. Frühe psychoanalystische Versuche, die sich hauptsächlich auf kranke Menschen und Verbrecher bezogen, sind jedoch gänzlich überhohlt und bedürfen der Berücksichtigung der in völliger geistiger Gesundheit gelebten SM Neigung, welche sicherlich 99 Prozent der sexuellen Minderheit ausmacht(gefährliche Abweichungen werden in der modernen Subkultur unter gar keinen Umständen geduldet ). Jedoch läßt sich mit Sicherheit aussagen, dass viele SMler rückblickend schon frühe Indizien für ihre Neigung erkannten. Dennoch hat sich in der heutigen Generation eine Wende abgezeichnet. Durch die Internetfähigkeit sind nun auch für Jugendliche sehr früh Möglichkeiten gegeben den Indizien Namen zu zuordnen. Das erst schwammig vorhandene "SM-Gefühl" bekommt starke Konturen und ist somit klar benennbar.
Folglich ist die "Internetgeneration" früh in der Lage bewußt ihre Neigungen zu entwickeln und mit der sexuellen Selbstfindung zu beginnen. Der eigentliche gravierende Unterschied zu vorhergehenden Generationen liegt darin, dass somit oft schon die Pubertät und die SM-Selbstfindung sich überschneiden. Das Entdecken der eigenen SM-Neigung wird in der Szene umgangssprachlich mit der "Zweiten Pubertät" umschrieben. Dies ist sehr zutreffend, da wie in der Pubertät sich eine völlig neue Gedanken und Gefühlswelt aus ihrem Schlaf erweckt wird, die starken Einfluss auf die Selbstentwicklung hat. Dies bringt unbestreitbar einige Probleme mit sich. In der Pubertät ist der Mensch noch nicht gefestigt sondern versucht sich selbst zu orientieren und zu positionieren. Die Erkenntnis über die eigene Sexualität in dieser Form macht dies nicht gerade leichter. Dies ist nicht der Neigung als solche vorzuwerfen, sie ist ansich vorerst völlig wertfrei. Erst der Umgang mit ihr kann zu einer moralisch zu bewertenden Richtung werden. Das eigentliche Problem ist die Unsicherheit ob diese Neigung auf Akzeptanz treffen wird oder nicht. Dies ist unabläßlich für die Selbstfindung. Dies läßt sich mit den frühen Anfängen vergleichen, in denen sich Menschen als homosexuell zu erkennen gaben.
Homosexualität ist mittlerweile zumindest weitesgehend toleriert und wird gesellschaftlich kaum noch als nachteillig empfunden. Die Phasen der allgemeinen öffentlichen Akzeptanz stehen in der SM-Szene noch aus. Somit gelten die damaligen Probleme für homosexuelle heutzutage für junge SMler, die versuchen zu ihrer Neigung zu stehen. Gerade für viele junge Menschen ist dies innerlich zwingend, da diese sich aus innerer Unsicherheit mitteilen möchten. Die Frage "Was bin ich ?", "Bin ich normal ?" sind typische Fragen der Pubertät. Nur treten diese gehäuft auf, wenn eine sexuelle Andersartigkeit festgestellt wird. Wobei sich Andersartigkeit kaum noch gebrauchen läßt, da keine nennbare einheitliche Norm der Sexualität nennbar wäre. Eine sexuelle Norm aufzustellen würde alleine daran kranken, dass durch die gesellschaftliche Individualisierung die Sexualität zu Facettenreich geworden ist. Die im Raum stehenden Existenzfragen müssen allerdings beantwortet werden, damit der junge Mensch sich selbst kennen und verstehen lernt.
Diese Fragen unbeantwortet zu lassen wäre unverantwortlich. Dies wäre vergleichbar mit der Situation als Kinder in der Schule noch nicht über Sexualität aufgeklärt wurden um damit einen verantwortungsvollen Umgang gewährleisten zu können. Gerade im Bereich Sadomasochismus ist dies notwendig um Grenzen aufzuzeigen, die die eigene Gesundheit gefährden.
Probleme der sexuellen Aufklärung und warum die Szene herhalten muss.
Die Frage der Verantwortlichkeit ist eine schwere, wie ich einleitend schon andeutete. Während bekannte SM-Vereine mit der Idee einer kooperativ arbeitenden Jugendorganistation aus öffentlichen und gesellschaftlichen Akzeptanzgründen harderten, entstand ein Vakuum, das gefüllt werden musste. Während bei allgemeiner sexueller Aufklärung Eltern und Schulen zumeist in die Bresche springen fällt dies bezüglich des Sadomaschismus flach. Das Bild des Sadomasochismus ist allgemein zwar bekannt jedoch sehr klischeebehaftet und kein Spiegel für die wirklich gelebte sadomasochistische Liebe. Eltern sowie staatliche Institute sind weitgehend unerfahren, was den Umgang mit sadomasochistischen Neigungen anbelangt. Da so diese Lücke vorerst nicht zu schließen war blieb nur die Möglichkeit diese durch die Jugend selbst zu schließen. Jungend für Jugend war das Stichwort. Die SMJG hat diese Lücke gefüllt und bietet eine Aufklärungs- und Anlaufstelle für den allgemeinen Problembereich, der sich damit verbinden mag. Dies ist immernoch eine Pioneerarbeit und Bedarf umbedingt der Unterstützung um eine umfassende Aufklärungsarbeit zu gewährleisten. Dasd dies wichtig ist hat sich oft gezeigt.
Zwar sind Sadomasochisten alles andere als eine kleine sexuelle Gruppe, dennoch müssen gerade junge Menschen mit anfänglicher Isolation rechnen, wegen z.B. mangelnder Mobiliät oder Altersbeschränkungen, mangelnder Autonomie etc. . Da das Internet nicht nur sinnvolle Informationen bietet sondern auch viele kommerzielle und rein auf Pornographie fixierte Bereiche ist nicht sichergestellt, dass das Selbstbild ein richtiges ist. So entstehen zumeist starke Verunsicherungen. Meinungen und Pauschalaussagen durch Bekannte und Verwandte bezüglich der Thematik tragen nicht zum Selbstverständnis bei, sondern unterstützen das Gefühl mit der eigenen Neigung allein dazustehen, sprich nicht "normal" zu sein.
Der Begriff der Normalität ist ein viel gebrauchter, speziell im moralischen Sinne. Hierbei wird nur zu oft der Moralbegriff verfälscht. Moral ist keine Doktrin der am weitesten in der Gesellschaft verbreiteten Meinungen, sondern das "moralisch sein" bedeutet eine Handlungsweise zu vertreten, die am "Guten" orientiert ist. Zwar gibt es auch hier allgemeine Vorstellungen von dem was "gut" ist, jedoch sind diese oft durch falsche Annahmen geprägt. Die Annahme, dass Sadomasochismus gelebte Gewalt sei läßt diesen als nicht "gut" erscheinen. Bei näherem befassen mit der Thematik und dem erkennen der eigentlichen Sinnhaftigkeit ist dem Sadomasochismus der Begriff "Gewalt" nicht mehr zuordbar, da es sich um eine konsensuelle (freiwillige) sexuelle Handlung dreht, die von zwei gleichberechtigten Partnern ausgelebt wird, sprich kein Zwang vorliegt ( auch ein Einverständnis von jemanden zu etwas gezwungen werden zu wollen ist im moralischen Sinne keine Gewalt solange es nicht die Grenzen der physischen und psychischen Selbsterhaltung übersteigt ).
Jedoch ist die allgemeine öffentliche Falschannahme für die Selbstfindung schädlich. Erwachsene Menschen tun sich oft schwer ihre eigene Sexualität zu akzeptieren. Der in der Pubertät befindende Mensch hat es da durchaus noch schwerer, da der größte Teil der generellen Selbstfindung noch nicht abgeschlossen ist. Falsche Annahmen der Gesellschaft, SM sei moralisch verwerflich und damit krankhaft, verfestigen sich in der Psyche und erzeugen somit ein nicht gesundes Verhältnis zur eigenen natürlichen Sexualität. Ohne einen Kontakt zur Szene wäre dies fatal. Das falsche Bild der eigenen Sexualität würde so unter Umständen zu einer Unterdrückung ihrer selbst führen oder der betreffende Mensch unsichere Wege suchen sich auszuleben. Damit dies nicht geschieht ist es elementar früh junge SMler mit ihresgleichen zu konfrontieren. Die Kommunikation untereinander vertreibt die Illusion ein "nicht-normales" Einzelwesen zu sein, was sonst zu Minderwertigkeitskomplexen und Psychosen führen könnte. Weiterhin behebt sie die typischen "Domina"- und "Sklavenklischees", in denen eine völlig überspitzte SM Wirklichkeit oft jenseits der Realität verstanden wird.
Labilität und (Selbst-)Fehleinschätzung
Ohne gesicherte Grunderkenntnisse über die eigene sexuelle Wirklichkeit befindet sich ein Mensch in mancher Hinsicht auf dünnem Eis. Zum einen ist das Verständnis der eigenen Sexualität wichtig um in der Lage zu sein Beziehungen führen zu können, in denen Sex natürlicherweise ein nicht verneinbarer Teil ist, der wichtig für das eigene und gemeinsame Glücksempfinden sein wird. Im SM-Bezug ergeben sich dabei einige Stolpersteine, die ich kurz erörtern möchte.
Die Klischeefalle
Die durch Intoleranz und gesellschaftlichen Falschaussagen entstandene Selbstverunsicherung kann nicht selten zu Minderwertigkeitskomplexen führen, welche die soziale Umgangsfähigkeit in der Subkultur gefährden und verkomplizieren können.
Zum Beispiel, das Bild des "absoluten Extremsklaven" ist eine künstliche konstruierte Idee, die real nicht existiert. Minderwertigkeitsgefühle, Ängste, Unsicherheiten führen gelegentlich zu einem Komplex, der in Richtung dieses Bildes geht. Gerade in devoten jungen Menschen reift oft das Bild der absoluten Selbstaufgabe heran. Dies entsteht nicht selten aus der Angst sich dem Problem mit sich selbst, der Gesellschaft und der eigentlichen Sexualität auseinandersetzten zu müssen. "Absolute Selbstaufgabe" bedeutet im Unterbewußtsein meist nicht mehr als absoluter Velust der eigenen Verantwortung, da diese von der starken "Herrin" oder dem "Herrn" übernommen wird. Deswegen kommt es nicht selten vor, dass einige unter Realitätsverlust leiden, wenn sie sich in ihre ersten SM Erfahrungen begeben. Die Intensität der eigenen endlich real gewordenen Gefühle treibt viele in die "Selbstaufgabe" im negativen Sinne, da dies als Flucht vor der Wirklichkeit in ein warmes und behütetes Nest verstanden wird, welches durch den dominanten Part beherrscht wird, was die Verantwortungslosigkeit unterstreicht. Dies kann zu einer inneren Abhängigkeit in Bezug auf den dominanten Part als Flucht vor dem Frust führen und dadurch auch zur Vernachlässigung der sonstigen im Leben wichtigen Aufgaben, wie Schule und ähnliches oder auch sonstige Entscheidungen in denen Verantwortung übernommen werden muss. Nicht zu vergessen ist der Einfluss, der in diesem Fall von dem dominanten Gegenpart ausgeht, welcher übergroß und damit zumeist nicht gesund ist, da keine geistige Gleichwertigkeit zwischen beiden Partnern besteht.
Ein weiteres illusionäres Bild ist zum Beispiel der oder die "gnadenlose Herr/in". Das Domina Klischee führt hierbei zu einem falschen Verständnis von Dominanz. Bei einigen jungen Menschen kann dies dazu führen, dass sie annehmen sich gegenüber devoten SMlern auch im sonstigen sozialen Umgang herrisch und egoistisch auszuführen. Dies entsteht auch meist aus der oben genannten Unsicherheit. Um diesen Komplex nach außen hin unterbewußt zu tarnen wird dieses falsche Selbstbild eines dominanten Menschen erzeugt. Die Angst aus eigener Verletztlichkeit mit einer vorhandenen eigenen "starken Seite" nicht umgehen zu können führt dazu, dass gerade dieses Klischee so übertrieben ausgeprägt ist. Aus Furcht nicht dominant zu wirken wird bisweilen z.B. eine extreme mißverstandene Form von Männlichkeit vorgeschoben. Dabei wirken gerade im Gegensatz Ehrlichkeit und damit das stehen zur eigenen Verwundbarkeit oft dominant. Leider kann gerade dieser Komplex oft schlimme Nachwirkungen haben, wenn das Verschweigen der eigentlichen Unwissenheit über manche Praktiken dazu führt, dass der devote und/oder masochistische Partner körperlich oder seelisch verletzt wird. Fehler in der physischen Praktik können gefährlich sein, aber meist problematischer ist der seelische Bereich, da dort Dominanz meist mit unnötiger Härte und nicht mit gefühlvoller Beherrschung verstanden wird. Die Überschreitung eine psychischen Belastbarkeitsgrenze durch z.B. ein Spiel in dem Demütigung eine Rolle spielt kann zu einem geistigen Absturz führen. Eine solche Überlastung ist schwer zu verarbeiten und können auch Folgen nach sich ziehen, wie innere Ängste oder starke Einsamkeitsanfälle und die Unfähigkeit zu handeln.
Diese Komplexe kämen nicht zu stande, wenn eine gute Aufklärung stattgefunden hätte. Zum Glück konnten viele durch Gespräche von Mensch zu Mensch wieder in die Realität geschubst werden.
Die Selbstüberschätzung
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Selbstüberschätzung. Dies gilt für die aktive Seite, wie die passive. Oft entsteht aus simpler Unwissenheit ein durchaus ernstzunehmendes Problem. Durch die anfängliche Isolation ist ein junger SMler zumeist unfähig, SM partnerschaftlich auszuleben. Das bedeutet oft einige Jahre in denen sich unerlebte Phantasien anstauen. Da sie nicht herausgelassen werden können steigern sich die Vorstellungen meist im Kopf rapide in der Intensität. Dies kann dazu führen, dass der Glaube auftritt die Phantasien im Kopf seien 1:1 in der Realität umsetzbar. Subs können sich so überfordern, da sie unfähig sind ihrem dominanten Partner temporäre Grenzen zu nennen, obwohl sich die Psyche sich erst an das Ausleben gewöhnen muss. Dies ist elementar wichtig, da zwar der Wunsch zum ausleben dieser Phantasien besteht, das Unterbewußtsein aber erst lernen muss, dass die SM oder D/s Tätigkeiten ins postitive Gefühlsspektrum gehören.
Was wie Gewöhnung klingt ist nichts anderes als ein besonderes SM -Verständnis. Zwar sind diese Praktiken und Spiele typisch der Neigung entsprechend, dennoch muss man oft zwischen Mittel und Ziel unterscheiden. Das erleiden von Schmerzen oder psychischer Demütigung bzw. Machtungleichheit ist nicht das Ziel des SM Spiels sondern ein Mittel. Dieses Mittel sorgt innerhalb der geistig gesunden Grenzen dafür, dass sich das "Ich" entspannt, Sorgen und Stress verschwinden, sozusagen der Geist durch Ablenkung in eine psychische Entspannung gezwungen wird.
Das danach einstellende Gefühl kann man beschreiben, wie das Ende eines Marathonlaufs. Der Weg dahin war schmerzhaft, wenn auch anspornend, aber das körpereigene und psychische Glücksgefühl mischt sich mit angenehmer Erschöpfung. Ist dieser Zustand erreicht läßt sich durch Zuneigung und Liebe das Glücksgefühl noch vehement steigern. Wird jedoch durch Selbstüberschätzung durch Sub und die Unaufmerksamkeit des dominanten Partes diese Grenze des erträglichen überschritten so läuft man Gefahr sich seelisch zu verletzten, da das Ziel durch das Mittel ersetzt wurde. Eine solche Überanstrengung kann schwer zu verarbeiten sein. Dies kann verhindert werden indem durch Aufklärung verdeutlicht wird, dass stehts eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit besteht.
Mangelnde Selbstwertigkeit
Dies ist ein weiteres nicht gerade wünschenswertes Phänomen. Durch die oft lange unbefriedigte Neigung passiert es nicht selten, dass auf der SM Ebene Partnerkonstellationen ergeben, die einzig und allein darauf fußen SM auszuleben, was dann auch meist der kleinste gemeinsame Nenner ist. Eigene Anforderungen an Partnerschaften verblaßen und es wird lieber der Preis der Unzufriedenheit bezahlt als kein Ventil für seine Phantasien zu haben. Leider ist dies auf Dauer meist äußerst negativ. Gerade Menschen mit einer devoten Seite verletzten sich, da sie einem unpassenden Menschen ihre Schwäche zeigen, was im Endeffekt das eigene Selbst verletzt. Es entsteht das Gefühl im negativen Sinne benutzt zu werden. Auch ein Mensch mit dominanter Neigung kann sich unter Wert verkaufen. Was dann meist folgt ist die Tatsache, dass man sich nicht gegenseitig ernst nimmt und respektiert. Daraus resultiert ein ernsthaftes Kommunikationsdefizit. Das sich dadurch Frustrationen entwickeln ist nachvollziehbar, da die eigentlichen Vorstellungen nicht erfüllt werden können.
Zusammenfassung und Stellungnahme
Viele sind sich der oben genannten Probleme oft nicht bewußt. Das gilt für junge SMler als auch gerade für die Älteren. Das Probelmbewußtsein für die Jungend muss in dieser Hinsicht erst geschaffen werden. Meine oben genannten Problemfelder sind sicherlich nicht alle möglichen Bereiche. Und gerade deswegen ist ein weiteres Beoabachten und Aufklären von essentieller Bedeutung. Sicherlich können die möglichen Problematiken erdrückend wirken, jedoch muss man anfügen, dass diese durchaus durch Gespräche und Erläuterungen aus dem Weg geräumt werden können, was meist auch erfolgreich geglückt ist. Um es positiv zu formulieren : Die jetztige Situation bietet eine sehr gute Chance auf Dauer für die Szene einen Imagegewinn zu erhalten. Da sich viele junge Menschen aus innerem Selbstfindungsbedürfnis vor Freunden und Familie outen, und das nicht selten erfolgreich, geschieht ein ernstzunehmender Gesellschaftswandel.
Die Tatsache, dass es nicht Fremde anonyme Menschen sind, die sich selbst neu definieren, sondern geliebte Menschen, langjährige Freunde, sorgt dafür, dass der Wunsch zu verstehen im Umfeld sehr groß ist. Zwar gibt es dort viele Toleranzprobleme und Mißverständnisse, die zu klären sind. Dies ist jedoch durch viel Kommunikation und Willen zu bewältigen. Und gerade deswegen ist die SMJG wichtig. Die Hilfe zur Selbstidentifikation, die durch die SMJG angeboten wird gibt die Möglichkeit den jungen Menschen die Worte und Wissensbereiche an die Hand zu geben anderen sich selbst zu erklären. Zwar ist die Selbstfindung stehts erste Priorität, aber mit einer sicheren Selbstfindung, statt Selbstzweifeln und sachlich falscher Annahmen, ist es möglich, dass die eigene Einstufung "Ich bin krank" nicht erfolgt und die Fähigkeit gegeben ist seine Mitmenschen von der eigenen Gesundheit der Sexualität zu überzeugen. Ich bewerte dies persönlich als weitaus wirkungsvoller als Aktionen, die auf Schriftverkehr und Medien berufen. Bei den heutigen medialen Möglichkeiten zur Toleranzwerbung besteht stehts eine unpersönliche Distanz. Wenn man bedenkt, dass sich nicht wenige Einzelpersonen outen sondern große Teile einer neuen Generation von SM-betreibenden Menschen, so wird die Flächenwirkung deutlich, welche gerade den Vorteil besitzt persönlich und unmittelbar zu sein. Wenn auch nur jeweils ein Mensch mit SM Neigung zwei oder drei gute Freunde über die SM Wirklichkeit aufklären kann so hat dies auf viele Sadomasochisten verteilt sehr positive Auswirkungen.
Leider gibt es stehts Menschen, die sich von Problematiken dieser Art distanzieren. Aber wie es bei Problemen jeder Art ist : Behoben werden diese nur durch das Handeln. Das Verschweigen oder Ignorieren realer Tatschen ist nicht förderlich für die Zukunft und schon gar nicht für eine neue Generation, die das Bild der Szene mit einer neuen Vielfältigkeit füllt.
(c) Julian aka Lederhaut / SMJG Orga Münster
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Über den Autor: Julian, 20 Jahre alt und Orga des SMJG Stammtisches Münster. Student der Philosophie, beschäftigt sich intensiv mit dem Versuch, Emotionen im SM und Ds zu verstehen und damit die Bedeutung dieser besonderen Sexualität zu durchleuchten.
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