Beeindruckender Roman über die Entwicklung eines Femdom/Malesub Paares. Vervollständigt mit einigen Kurzgeschichten.
"Shivas Schützlinge" schickt der Charon Verlag in diesem Jahr ins Rennen der Herbstnovitäten. Eine gute Wahl und so bin ich etwas verwundert, daß diesem Band ein doch recht "blutleerer" Klappentext auf dem Weg zur Lesergunst mitgegeben wurde.
Worum es geht? Um SM Gefühle und den manchmal so verdammt schweren Weg sie umzusetzen. Um ein Paar, das sich den submissiven Wünschen des Mannes nicht mehr entziehen kann, um viele Fragen und Ängste, um Sinnfindung, Entfernung und Annäherung.
Ganz modern, ganz heute, spannend, unterhaltsam und doch viel mehr als eine Femdom-Erzählung, denn die Autorin Lilith wählt einen außergewöhnlich charmanten Weg um ohne erhobenen Zeigefinger Antworten zu formulieren: sie lässt Shiva und Parvati zu Wort kommen, erwählt das indische Götterpaar der Lust und Weisheit zum Sprachrohr und Kalkül westlich verkopfter Sinnsuche. Beileibe keine "Räucherstäbchen-Esoterik", sondern bestes Stilmittel um den Leser mit einem Lächeln zu fesseln und ein funktionierendes Ergebnis vorzulegen: Eine ebenso märchenhaft leichte, wie berührend intensive Erzählung, die besonders Femdoms und Malesubs das Herz übergehen und einige Knoten platzen lassen dürfte.
Die anschließenden Kurzgeschichten die den Band vervollständigen, beweisen ein weiteres Mal die Vielfältigkeit und hohe sprachliche Qualität der Autorin, gehören allerdings zeitversetzt und mit frischem Kopf gelesen um in ihrem gänzlich anderen Stil nicht neben "Shivas Schützlingen" ungerechtfertigter Weise zu verblassen.
Und mit diesen Schützlingen sind im übertragenen Sinne wohl alle gemeint, die süße Sehnsucht nach einem Mehr an Lust verspüren. Die sich erkannt und verstanden fühlen werden, wenn mit Aufklappen des Buchdeckels " das Spiel der Götter beginnt"...
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