Nachts, wenn das Handy zweimal piept...


- die gefürchtetste Waffe der dominanten Damenwelt

Vor einigen Wochen während eines spätabendlichen Gedankenganges schlich sich mir die Frage in den Kopf, welches wohl die gefürchtetste Waffe der dominanten Damenwelt sein würde. Solche verflixten Gedanken können mich umbringen. Ich muss sie zu Ende denken oder mir wird der Schlaf geraubt. Ist es ihr messerscharfer Verstand und die geschliffene Rhetorik, mit der sie uns verbal filetieren, wenn wir uns wieder einmal unartig benahmen oder ist es dieser Ausdruck in ihren Augen, der jeden Widerspruch im Keim erstickt und uns nackt fühlen lässt, selbst wenn wir drei norwegische Pullover übereinander am Leib tragen? Vielleicht handelt es sich aber auch um ihr Wissen über uns, dass sie uns etwas schenken, was uns nicht jede Frau geben kann, weswegen es uns immer wieder zu ihnen zieht, als seien wir mit einem Gummiband an ihnen befestigt und deswegen auf ewig ihr Eigentum. Der Gedanke war für mich sehr erschreckend, denn er beinhaltet eine gewisse Ohnmacht. Gerade wollte ich mich darauf festlegen und zufrieden einschlafen, da summte mein Handy.

Meine synaptische Spalte wurde zu einem gedanklichen "Oh nein!" animiert. Der siebte Sklaven-Sinn erahnt schließlich schon am Klang einer eingehenden Kurzmitteilung, ob sie guter oder schlechter Natur sein wird. Mit Sicherheit handelte es sich um irgend einen Vorwurf. Der Herzschlag suchte den Galopp und fand ihn, die Miene versteinerte sich, ich biss mir auf die Zunge - natürlich, ich hatte etwas vergessen und bekam nun die Quittung. Der Fluch der modernen Kommunikationselektronik suchte mich heim, die funktechnische Variante einer Zugleine, über Meilen hinweg an meinem Hundehalsband namens Handy zerrend.

Was müssen die Zeiten schön gewesen sein, in denen Subs ein handyfreies Refugium besaßen, in das sie sich zurück zu ziehen vermochten! Ich werde einmal das Gespräch mit diesen glücklichen, älteren Herrschaften suchen müssen, denn ich möchte mehr von diesen goldenen Zeiten erfahren, die ich durch die Ungnade der späten Geburt nie erleben durfte. Gab es diese wirklich? Es klingt wie ein Märchen! Doch was hilft es zu jammern, werte Leidenskollegen? Finden wir uns mit einer Sache ab: seitdem das Handy seinen Weg auch in die wunderschönen Hände unserer ansonsten technisch nicht immer begabten Herzensdamen gefunden hatte, sieht sich unsere bodenkriechende Spezies einer neuen Herausforderung und Bedrohung ausgesetzt. Globale Überwachung und Kontrolle, die mittels Kurznachrichten dem Begriff "24/7" eine völlig neue Dimension und Bedeutung verleiht. Ja, lasset uns unser hartes Los mit lautlos seufzender Würde tragen, dass uns selbst im letzten Hort der submännlichen Freiheit, dem stillen Örtchen, Sado-Motz-Sticheleien (SMS) ereilen. Wir sind schließlich selbst schuld an unserem Zustand! Was besaßen wir auch eine solch große Klappe, als wir damals in geistiger Umnachtung Treue mit den Worten "Ich werde immer für Dich erreichbar sein" gelobten? An solchen Aussagen messen uns unsere dominanten besseren Hälften mit ihren Elefantengedächtnissen doch nur zu gerne. Wer, außer ihnen vermag sich noch an jegliche unbedeutenden Kommentare von uns erinnern, die wir selber schon seit Jahren vergessen haben?

Nein, diese Generation an Subs ist verloren. Widerstand ist sinn- und zwecklos! Die gefährlichste Waffe der Ladies ist ihr Handy. Sie haben dieses Instrument der Machtausübung über die Jahre schätzen gelernt und in seiner Handhabung perfektioniert. Sie wissen, dass sie mit wenigen getippten Worten eine Welle an Gefühlsregungen in ihren Anbetern auszulösen vermögen. Ist das nicht wahrhaftige, endgültige Macht, wenn frau mit 160 Zeichen emotionale Achterbahnfahrten zwischen Schweißausbruch und Freude in uns erzeugt? Ist es nicht Macht, wenn wir dieses Medium verfluchen, uns aber Sorgen machen, sollten wir komischerweise stundenlang keine SMS erhalten und uns deswegen fragen, was für ein Vergehen wir begangen haben könnten und nun lieber selbst einen Text verfassen?

Aber wie antwortet man auf SMSen wie "Mir geht es nicht gut und Du beachtest mich gar nicht!", während man mit seinen Kumpels gerade ein Fußballspiel in der Kneipe verfolgt? Sie zu ignorieren zieht nach ca. 2,657 Minuten eine weitere SMS mit dem hochwahrscheinlichen Wortlaut "Ich dachte, Du liebst mich." nach sich. Man befindet sich in der entblößenden Situation mit seltsamen Blicken von seinen Freunden bedacht zu werden, wenn man sich daran macht eine SMS zu beantworten, während das eigene Team gerade dabei ist ein Tor zu erzielen. Ihr wisst schon, diese "was ist das für ein Pantoffelheld?" - Blicke! Aber es ist allemal empfehlenswerter, als eine dritte SMS zu riskieren, denn die ist unter Garantie tödlich, a lá "Danke für Deine Aufmerksamkeit. Ich wünsche Dir eine gute Nacht." Was wirklich damit gemeint ist, erfährt man in der Regel spätestens am Tag darauf.

Die Faustregel besagt, dass man SMSen seiner Göttin binnen 2 Minuten beantworten sollte. Dies ist der ungefähre Domme-Toleranz-Rahmen, quasi der grüne Bereich. Ab 3 Minuten wird er schon rot! Im Normalfall wird uns eine Minute zum lesen und verstehen der SMS eingeräumt und eine weitere um den Antworttext zu verfassen. Dies ist himmelschreiend unfair und das wissen sie auch. Rein biologisch betrachtet sind wir hier schon benachteiligt, da Frauen wesentlich schmalere Finger für diese enggereihten Tasten besitzen und zu 99 Prozent vier mal so wenig Zeit zum verfassen einer Kurznachricht benötigen, da sie zum logischen Denken befähigt sind. Diese zwingenden Gründe interessieren sie aber nicht. Es bietet sich deshalb an, sich der jeweiligen Stimmungslage, die in der SMS zu erkennen ist anzugleichen und fix zu handeln.

Im Gegensatz zu uns schreiben unsere Femme Fatales ihre SMSen nämlich immer und überhaupt mit Hintergedanken. Short Messages ermöglichen ihnen in Kurzform ihr komplexes, nach Selbstbestätigung, Besitztum, Geborgenheit und Liebe heischendes Innenleben in für uns oftmals kryptischen Sätzen auszudrücken, deren Dechiffrierung nicht selten einem Tanz auf einem unter Strom gesetzten Drahtseil ohne Netz und doppelten Boden gleichkommt. Wir schreiben Kurznachrichten, um ihnen wichtige Empfindungen wie "Liebling, ich habe gerade einen Ständer und denke an Deinen gottgleichen Hintern" zukommen zu lassen, auf die sie seltsamerweise meist unzureichend und unwirsch antworten. Wenn sie denn überhaupt antworten! Für sie handelt es sich beim Medium SMS um tiefen Gedankenaustausch von elementarer Bedeutung, in denen sie um unsere Meinung bitten und Recht behalten möchten. Tritt man diese Form der vereinnahmenden Kontaktaufnahme mit Füßen, so kann man sich gedanklich schon darauf einstellen den Weg nach Canossa mit eben jenen Körperteilen zugewiesen zu bekommen - aber mit High Heels und viel Aua! Männer, simsen ist WICHTIG für unsere Damen! Auf diese Weise haben sie uns immer in der Tasche!

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: als moderner Sub von Welt hat man sich daran zu gewöhnen, dass Freiheit ein Relikt der Vergangenheit ist und uns der lange Arm Sachmets nun überall und zu jeder Zeit erreicht - mit Ausnahme von seligen Bereichen wie getunnelten ICE-Trassen. Adieu, Du schöne Pflanze der Freiheit, nun ist auch Deine letzte Knospe verdorrt. Habe ich eben wirklich erwähnt, wir sollten uns dies gefallen lassen? Sollen wir wirklich am besten alles bejahen, was an SMSen auf uns darnieder prasselt? Sollten wir nicht lieber Selbsthilfegruppen bilden? Den selbstmörderischen Akt der Rebellion wagen und das Handy eine Stunde lang ausschalten? Uns nicht besser Ladies suchen, die älteren Semesters sind (ab 60 aufwärts) und die mit Mobilfunktelefonen nicht unbedingt etwas zu tun haben wollen? Ihnen sagen, dass wir Strahlenkrebs-Paranoia besitzen? Auf einen gigantischen Sonnensturm hoffen? Vorgeben, dass wir mit Handys schreckliche Traumata verbinden? Ja, wir werden es ihnen schon zeigen, dass wir nicht nach ihrer Pfeife tanzen, sobald dieses Mistding einen Piepston von sich gibt.

Denkt darüber nach und wehret den Anfängen, Brüder im Geiste! Lasst uns demonstrativ Werbeplakate von Nokia, Sony Ericsson, Siemens etc. von Litfasssäulen und Werbetafeln reißen, sie stapeln, anzünden und einen Kreis darum bilden, Hand in Hand! Folgt mir, geknechtete Kollegen! Ich muss nun abschließen, ich habe eine ... ähm ... einen Anruf erhalten. Äh, Ihr macht das schon! Ich bin dann mal weg!

(c) Melek Taus

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