Spacer xplore 10 ! 23.7.-25.7.2010
"xplore" ist eine dreitägige (23.-25.7.) Veranstaltung zu Kreativer Sexualität, BDSM, Performance und Ritual in Berlin. Sie bietet über 40 Workshops, Demonstrationen und Performances zu verschiedenen Spielarten und Aspekten von Sexualität. Die xplore geht 2010 ins siebte Jahr und besinnt sich auf ihr ursprüngliches Motto „Die Kunst der Lust“ aber auch die „Lust an der Kunst“. http://www.xplore-berlin.de/

 

 

 

 



Kleider machen Ladys

Assoziationen zum Thema Outfits...

Für gewöhnlich bin ich keine Materialfetischistin. (Außer natürlich, wenn es um Sklavenmaterial geht, da bin ich für gewöhnlich überaus wählerisch.) Ich mag sowohl Latex als auch Leder und mittlerweile habe ich mich auch für Satinkorsette durchaus erwärmen können. Aber unbedingte Notwendigkeit ist eine fetischmäßige Aufmachung für mich nicht: Ich quäle und liebe in jedem Outfit und es kann in jedem Teil mal mehr, mal weniger Spaß machen. Doch das hängt nicht vom Teil ab.


Trotzdem hat es natürlich was für sich, wenn man sich „in Schale wirft“. Schließlich drücken nicht nur Normalbürger, sondern ganz besonders wir BDSMlerInnen mit unserer Kleidung was aus. Zum Beispiel mit Leder. Ist natürlich, riecht herb, umgibt dominante Personen mit einer starken Haut und Aura. Unnahbar, unnachgiebig, cool, distanziert, lässig. Am submissiven Körper darf es nicht zu viel sein, sonst bleibt von der Submissivität nicht mehr viel übrig. Halsband, Harness, Shorty oder String oder Mini, das genügt. Außer es handelt sich um großflächigere Restriktionsstücke, die aus Leder dann noch grausamer aussehen und vermutlich auch wirken. Leder passt meiner Meinung nach gut zu allen Spielen, denen man die Strenge bereits von außen ansieht. Spanking mit Gerte oder Peitsche zum Beispiel, Bondage oder Cutting.

Ganz anders verhält es sich mit klassisch „englischen“ Outfits: Satinkorsett, Nylons, Satin- oder Spitzenhandschuhe für die dominante Dame, Spitzenhäubchen und Schürze für die masochistische Maid. Die Spiele meiner Wahl sind hier Rohrstockzüchtigung, Ponyplay und Erniedrigungen jeder Art. Besonders gut kann man mit diesen weichen, schmeichelnden Materialien das Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiel spielen: mit dem robbenglatten Handschuh streicheln und den spitzen Absatz ins Gesäß bohren. Zärtlich-liebevoll das Gesicht umfassen und den Speichel in den aufgezwungenen Mund tropfen lassen. Den Sklaven sanft auf den Teppich betten und mit nylonbestrumpften Füßen auf seinem Rücken spazieren gehen.


Okay, ich gebe also zu, ich mag es, wenn die Ausstattung zur Tätigkeit passt, mehr noch, wenn sie in allen Nuancen ganz genau abgestimmt ist, sozusagen als zusätzliches Element zur Unterstreichung des jeweiligen Spielcharakters. Doch es gibt auch Spielereien, mit denen man sich in gewissen Kleidungsstücken leichter tut als in anderen. Manche Vorteile merkt man auch nicht gleich beim Spielen selbst, sondern oft erst nachher, dafür aber umso nachhaltiger.

Ein ganz einfaches Beispiel sind etwa Pinkelspiele: Sie versauen Nylons, ruinieren Leder und müssen aus feinen Stoffen mitsamt Gerüchen mühsam und vorsichtig rausgewaschen werden (was zum Glück nicht direkt meine Sorge ist, aber was, wenn der Putzsklave nicht umsichtig genug ist und das schöne Stück nun doch ruiniert?!). Wie ideal ist für solche Fälle doch Latex! Ab damit unter die Brause – ob du es jetzt noch am Körper hast oder nicht – und die Geschichte ist erledigt.


Obwohl ja eigentlich Leder eine zweite Haut ist, fühlt sich Latex meines Erachtens viel mehr danach an. Wenn du erst mal eine Stunde in was Knallengem steckst, hat sich zwischen deiner Haut und dem Gummi dieser hauchdünne Schweißfilm gebildet, der es fix und gleichzeitig elastisch mit all deinen Bewegungen verbindet – vorausgesetzt die Temperatur rundum bewegt sich zwischen 20 und 25 Grad und du trägst das Zeug nicht länger als 6 Stunden, sonst kann’s richtig unangenehm werden (und diese Art von Unannehmlichkeiten nehmen meistens nicht mal unsere Subbies gerne hin).

Da Latex so eins mit dir werden kann, ist es auch das vielseitigste aller Materialien im Hinblick auf die dazu passenden Spiele. Spanking, Nadeln, Fußverehrung, Genitalbondage sowie natürlich alle Arten von Klinikspielen – die Liste ist mindestens ebenso lang wie die der Kreationen, Farben und Qualitäten, in denen Latexmode mittlerweile angeboten wird.

All die erwähnten Produkte haben natürlich einen großen Nachteil: den Preis. Egal ob Leder oder Latex, wer halbwegs was gleichschauen will, muss einigermaßen tief in die Tasche greifen. Und einige haben gar nicht so tiefe Taschen.


Daher hält sich ein nah verwandtes, bei uns jedoch oft kaum ernst genommenes Material hartnäckig: Lackleder, eine preiswerte Mischung zwischen Kunststoff und Elastikmaterial. Es ist billig, glänzt ebenso schön wie Latex und bietet eine recht beachtliche Auswahl an Modellen. Lack hat im deutschen und englischen Sprachraum allerdings nie den Fetisch-Charakter von Leder oder Latex erreicht (für viele geht es grade mal als so etwas wie eine „Einstiegsdroge“ durch). Es hat einfach weder das animalische Flair von Leder noch die künstliche Schwüle von Latex.

Doch das ist ja auch gar nicht notwendig. Wie bereits eingangs erwähnt, falle ich, wenn es sich eben grade ergibt, auch in Jeans oder Baumwoll-T-Shirt oder überhaupt nackt über meine(n) Sklaven her. Vielleicht muss ich dann ein wenig nachdrücklicher agieren, um meine dominante Ausstrahlung zu unterstreichen, wenn mir das Outfit nicht dabei hilft. Aber das kann die Kreativität des Spiels nur bereichern!

Bis bald mal wieder!
CaroLine

Nachbemerkung:


Vor kurzem war ich anlässlich der Vernissage meines Haus- und Hoffotografen Ronald Putzker in der Fetish-Boutique Démonia in Paris (übrigens sehr sehenswert, die Ausstellung hängt noch bis Ende Juni!). Anhand der Kollektion im Laden und in Gesprächen mit Besitzerin Laurence bestätigte sich mein bei bisherigen Parisbesuchen gewonnener Eindruck, dass die Franzosen/ösinnen für Leder und Latex nicht viel übrig haben. Ihre Nummer 1 ist das bei uns so gerne von oben herab belächelte Lack (sie nennen es „vinyle“).

Noch dazu wurde der Dresscode bei der abendlichen Party „Nuit Elastique“ überaus locker gehandhabt. Doch siehe da: Die Party war lustig, die Leute spielfreudig und der Dancefloor ziemlich heiß. Anscheinend haben die FrankomanInnen das „savoir vivre“ nach wie vor im kleinen Finger. Und an diesem Abend zumindest wussten sie, dass es überhaupt nicht darauf ankommt, wo jemand drinsteckt. Wichtiger ist, was in ihm/ihr drinsteckt! Und das sei einigen Veranstaltern und strenggläubigen Kleidungsfetischisten hierzulande mal nachdrücklich ins Stammbuch geschrieben!

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