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Charlotte, Jahrgang: 1965, arbeitet seit 15 Jahren als professionelle Domina im eigenen Studio im Raum Hamburg. Schade, daß wir Euch hier Charlottes Stimme vorenthalten müssen. Die Stimme und Insensität dieser Frau sind wirklich beeindruckend.
LS: Charlotte, die Frage liegt nahe: wie bist Du zum Job einer professionellen Domina gekommen?
Charlotte:Am Anfang war das typische namenlose Gefühl, das alle SMer einmal hatten. Das Gefühl nicht zu wissen was es eigentlich ist. Im Laufe der Zeit ist mir durch Magazine und Medien aufgefallen, daß mir die Art der Sexualität SM gut gefällt. Damals konnte ich das alles noch nicht ausleben, aber in dieser Zeit habe ich vieles ausprobiert und schließlich zum Beruf gemacht.
LS: Ist der Schritt sein Hobby zum Beruf zu machen nicht ein großer? Hattest Du keine Ängste einen seltsamen Berufsweg einzuschlagen?
Charlotte: Als ich vor ca.15 Jahren anfing, gab es für SM noch nicht so viele private Möglichkeiten, der professionelle Weg war viel normaler.
Klar gab es Ängste, aber mit meinen damals jugendlichen 20 Jahren war das alles für mich eher aufregend.
LS:Du bist auch im Privatleben dominant. Gibt es einen Unterschied zwischen Beruf & Privatleben. Bist Du immer die selbe?
Charlotte: Es ist natürlich ein großer Unterschied. Der Job verlangt, daß ich mich auf eine gewisse Art meinen Gästen anpassen muß. Viele Gäste habe ihre Sexualität schon sehr gut kennengelernt und durch Erfahrung herausgefunden, wie sie beherrscht werden möchten. Ich berücksichtige dies selbstverständlich und versuche aus ihren Vorstellungen einen kleinen Traum zu machen. Das ist ja letztendlich ja der Grund, warum Gäste zu uns kommen - für eine gewisse Zeit in eine Traumwelt versinken zu können, was im Privatleben nicht so ist.
Natürlich halte ich von 24/7 Geschichten gar nichts, weil mich als Frau mehr ausmacht, ich mehr Projelte habe, die es mir nicht möglich machen mich ausschließlich nur um eine einzelne Person zu kümmern.
Was in der privaten Sexualität anders ist, - dort kann ich mich so vollendet ausleben wie ich es gerne hätte und habe das große Glück, einen Partner gefunden zu haben mit dem ich es auch wirklich so tun kann, wie ich es möchte. Wie ich es lebe, geht allerdings niemanden etwas an *lacht*
LS:Meine Vorstellung ist, daß viele Gäste in ein Studio kommen, um gewisse Ängste oder auch einen gewissen Frust abzubauen. Wie siehst Du das? Handelt es sich um eine Therapieform? Ist es manchmal nicht erschreckend, wenn jemand sehr tief fällt?
Charlotte: Erschreckend ist eigentlich nicht, oder doch ...manchmal doch schon. Ich sehe diesen Menschen im Keller, wie er sich mir geöffnet hat. Ich sehe seine Wirklichkeit und seine Seele.
Nach der Session sehe ich auf einmal einen anderen Menschen, wieder gefühllos, kalt, wieder mit seiner Maske. Und das macht mich manchmal sehr traurig. Diesen Menschen fällt es oftmals leider schwer zu sich selbst zu stehen. Somit ist SM vielleicht eine Kurzform der Therapie .
Die Gäste können für eine gewisse Zeit ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Sie können winseln, schreien, all das tun was in ihrem privaten Leben eben nicht möglich ist. Etwas, was jeder Mensch hin und wieder tun möchte: aus dem Auto aussteigen und einfach schreien, was eben nicht möglich ist.
Wir erlauben dies, wir führen sie dorthin, wir spüren dieses introvertierte Gefühl in diesen Menschen und bringen sie zum Schreien.
Oftmals ist es gar nicht der Schmerz den wir ihnen zufügen. Oftmals sind sie es einfach selbst. Sie schreien den Schmerz heraus obwohl eigentlich gar nichts passiert ist.
Weshalb ich es nicht als wirkliche Therapieform sehe ist , weil danach wieder ins normale Leben zurückgegangen wird, weil sich nicht wirklich etwas verändert. Sie akzeptieren eben nicht ihre eigenen Schwächen. Sie nehmen sie nicht an. Ich weiß nicht, ob sie danach noch über das nachdenken was passiert ist, das kann ich nicht beurteilen.
Aber ich habe manchmal das Gefühl, daß es eben nicht so ist, daß viele nicht ihre eigene Psyche sehen, oftmals fehlt die Erdung, das was wir unter anderem hier tun. Je mehr wir einen Gast demütigen, um so mehr erden wir ihn und bringen ihn auf diese Welt zurück. Aber eben leider nicht für immer.
LS:Deine Gäste... wer oder was sind sie für Dich?
Charlotte: Wie ich es eben schon sagte, ich glaube unsere Gäste sind einfach Menschen die für diese gewisse Zeit sie selbst sein können. Selbst wenn sie sich in animalische Wesen oder in erniedrigte Wesen verwandeln, so ist dies doch ein Teil ihrer selbst. Wir stammen alle von Tieren ab, was durch die Evolution vergessen wurde. Und viele Menschen leben dieses Tier durch SM wieder aus.
Ich persönlich versuche diese Menschen auf eine Art zu befreien. Natürlich habe ich meinen Spaß und sehe sie auf eine gewisse Weise auch als Lustobjekt, nur dadurch daß ich für sie da bin , kann ich mich natürlich nicht so fallen lassen, dass ich meinen Gast vergesse. Schließlich erfülle ich seine Wünsche.
LS:Du bist Dir Deiner Verantwortung sehr bewusst?
Charlotte: Selbstverständlich. Deshalb kommen sie: "jetzt hat sich mal jemand um mich zu kümmern". Klingt abstrakt, weil wir ja eigentlich die Dominas, die Herrscherinnen sind, aber wir wissen letztendlich alle, daß es ein gespielter Moment ist, die Hoheit zu sein.
LS:Was mir oftmals Angst macht ist, wenn SM gerne mit Drogen verbunden wird. Gerade dominante Frauen trinken oft gedankenlos, trotz Spielsituation...
Charlotte: Ja, einige Dominas versuche sich mit Drogen zu betäuben. Die Betäubung ist eine große Gefahr in diesem Bereich, wenn man ihm nicht gewachsen ist.
Viele Frauen haben mit diesem Beruf eigentlich nicht wirklich etwas zu tun und was sie sehen erschreckt sie dann. Oftmals sind es Frauen, die eigentlich ein masochistisches Potential haben, und dementsprechend ihr eigenes Ich betrügen müssen, da sie nicht sie selbst sein können, oder wollen oder vielleicht sogar gar nicht wissen, wer sie selbst sind. Dies hinterlässt viele Schmerzen in diesen Frauen, und diese werden dann gerne mit Alkohol oder Drogen betäubt.
LS:Du bist lange dabei. Früher gab es wenig SM Medien, und eine viel kleinere Szene. Was hat sich seitdem verändert?
Charlotte: Richtig. Beispielsweise die Schlagzeilen gibt es gerade mal gut 10 Jahre. Was war früher? Es gab mehr Suchende, die ihren Weg noch gar nicht kannten, und für die nur der Weg zu einer professionellen Domina möglich war. Ich kann mich erinnern, daß manche Gäste Geld bezahlten, nur um sich einmal unterhalten zu können, sich ihre Kleidung anzuziehen, um einen Raum zu bekommen, in dem sie "sie selbst" sein konnten. Natürlich fallen solche Gäste heute weg.
SM hat sich als solches gewandelt, daß wir nur noch mit SMern zu tun haben, die ihre Neigung ausgelebt haben wollen. Privat lebt sich ja die Domina mehr aus, als der Sklave. Dies verändert sich im professionellen Rahmen, hier kann sich der Sklave selbst ausleben, seine Ziele und Grenzen abstecken. Es dreht sich alles ausschließlich um ihn.
LS:Die weitläufige Meinung ist: eine Domina schwimmt in Geld und hat einen Job in dem man wenig arbeitet und unheimlich viel verdient....
Charlotte: *lacht*Leider ist es natürlich nicht so rosig. Wenn man diesen Job ehrlich und gut machen möchte, ist es mit dem Reichtum nicht weit her. Wir lassen uns bezahlen, aber wir verlangen nicht für jede einzelene Handlung mehr, wir haben Fixpreise. Solch ein Haus, solch eine Lokation zu halten und nicht zu vergessen das Equipment, die Einrichtung kostet viel Geld.
Und ich kann mir nicht bezahlen lassen, daß ich jeden Tag frische Blumen auf dem Tisch stehen habe und alles extrem sauber ist. Das sind Dinge die kann man sich nicht bezahlen lassen. Für uns ist wichtig, daß wir mit Stammgästen arbeiten. Da kann man nicht auf die Pauke hauen, das benötigt Kontinuität. Unsere Wirtschaft hinkt, wir sind ein Luxusgut und gespart wird zuallererst an den Luxusgütern, das ist klar.
Was dazukommt, sind die vielen Partys, die wir speziell in Hamburg haben. Das ist toll für viele Menschen und gut und richtig so, aber klar daß wir ein wenig darunter leiden.
LS:Ich denke, es gibt vermutlich Dinge, die Du nicht tun möchtest, oder die Dir selbst zuwider sind. Hast Du Dich jemals vor Dir selbst erschreckt, hast Du Dinge getan, die für Dich nicht richtig waren?
Charlotte: Das ist richtig. Selbstverständlich bin ich auf meinem Weg auch an meine eigenen Grenzen gestossen. Und ich habe auch schon Dinge getan, die ich nicht tun wollte. Nur ist es schwierig etwas abzulehnen, das man nicht kennt. Man muß wissen wie es sich anfühlt um zu wissen, ob es passt oder nicht . Ich bin in der glücklichen Lage selbstständig zu sein und diese Entscheidung frei treffen zu können, was angestellten Dominas oftmals nicht möglich ist.
LS:Das Alter kommt irgendwann und Du wirst vermutlich nicht bis 70 arbeiten wollen. Wie hast Du Dir spätere Jahre vorgestellt? Was macht die Frau Charlotte ansonsten noch aus?
Charlotte: Mein Kopf ist voller Ideen, ich bin ein lebendiger, kreativer Brunnen. Ich engagiere mich schon seit langem in einem Musikprojekt und habe auch schon Filme gedreht. Ich würde mich gerne mehr diesen Dingen widmen. Mehr filmen, fotografieren, mehr in der esoterischen Welt machen.
Ich interessiere mich sehr für den Beruf des Heilpraktikers und würde mich im Laufe der Zeit gerne mehr in den kreativen SM Geschichten etablieren.
Das Gespräch führte Conny.
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