LustSchmerz Satire

"Der Ring der Ringe": Vom harten Kampf mit dem verflixt-ersehnten Zeichen und anderen Szene-Herausforderungen...

Als nunmehr fast schon richtiger SM'ler verspürte ich natürlich auch bald die Neigung, den "Ring" zu besitzen. Wann und wozu ich ihn tragen wollte, war zwar noch nicht so genau entschieden, aber her musste das Ding. Nun gibt es ja mindestens zwei Wege, einen passenden Ring zu erwerben, wenn man mal vom Selberbasteln absieht.

Dazu war keine Zeit, denn ohne Ring in die nächste Gruppenstunde - wie sähe das denn aus? Die Möglichkeiten sind erstens in einen Laden gehen und anprobieren. Aber in welchen? Statt kilometerweiter Fahrten probierte ich erstmal ganz naiv ein paar Schmuckläden in der Umgebung aus. Nicht hier im Kaff, sondern schon in richtigen Städten. "So ein Ring mit einem Ring dran? Was soll DAS denn sein?"

Genauere Ausführungen sparte ich mir unter dem streng-irritierten Blick des gut angezogenen Verkäufers. In kleineren schmuddeligen Modeschmucklädchen dagegen ein einfaches "Nö...". Vanilla-Sexshops natürlich auch Fehlanzeige. Nur in einem Geschäft in Darmstadt, der auch verschiedene, durchaus hübsche Seile und die "Grimme-Bibel" führte, kam der Hinweis auf die Schlagzeilen. Schau an, schau an! Also bestellen.

Ich lese öfters in einem Online-Magazin einer gewissen Frau Schneider, also guckte ich in ihren Online Shop. Prima, billiger als gedacht! Und dann wurde es richtig kompliziert. Grösse angeben... Logisch, Anprobieren ist online nicht möglich, auch praktische Tipps wie "Stecken Sie ihren Finger in ...(zensiert) dann haben sie Grösse 21 mm" fehlten völlig. Also ausmessen. SM heisst ja schließlich auch, Verantwortung übernehmen. Verantwortung für exakte Passform.

Um die folgenden Ausführungen zu verstehen, ist es notwendig zu wissen, dass ich es absolut hasse, wenn Ringe am Finger rumschlackern. Ich fummelte also etwa 10 Minuten mit einer Schieblehre (Messgenauigkeit 1/20 mm!) an meinem Finger rum und konnte mich nicht entscheiden. Irgendwas zwischen 19 und 20 mm, und da das Ding ja auch nicht beim kleinsten Spanking wieder wegfliegen sollte (ja, ich weiss, Tops links und so), kamen nur 19 mm in Frage. Der blöde Finger wird sich schon anpassen. Und wenn das ein bisschen wehtut bis er drauf ist, umso besser.

Also die Ausführung 19 mm per Elektrobrief bestellt, aber die Bestätigung der Bestellung kam nicht, wie versprochen, in wenigen Minuten. Besorgte Mail hinterher, klar, ich hatte das ".de" an der Emailadresse vergessen, hätte der blöde Bestell-computer da nicht alleine drauf kommen können...? Egal, riesige Vorfreude, Päckchen da, ich nicht zuhause, Nachbarin. "...LS-Shop ??? Ist das für Sie?" "äh, ja..." Die Streckbank werde ich mir anders liefern lassen... Aber ich weiche ab...

Päckchen auf, tiefer Absturz: nicht mal über den Knöchel geht das blöde Ding. Bestimmt eine Fehllieferung. Nachgemessen: 19,000. Scheisse. Zu dumm zum... Also Ring ins Kuvert, Briefchen dazu: "Liebe Andrea, leider bin ich zu blöd...(naja, so ähnlich). Briefmarke drauf, ab die Post. Neues Spiel, neues Glück.

Wenige Tage darauf ist der neue da und 20 mm passen tatsächlich. Exakt. Ganz exakt. Da schlabbert nix. Der hält. Super, wie der hält. Bloss..., der Finger wird rot. Und dick. Blutstau, nennen die Ärzte das. Und ich Super-Superscheisse. Nein, lieber die Hand abhacken als nochmal "Liebe Andrea...". Schließlich hat mein Freund Sigi eine Drehbank und ausserdem war mir der Ring auch etwas zu massiv und zu schwer. 21 mm wären auch mit Sicherheit zu gross gewesen, und rumschlackern...

Ich also zum Sigi (ein total netter Stino), fast, fast schon Rentner, und direkt gefragt: "Sigi, du hast doch ne Drehbank. Kannst du mir den hier ein bisschen ausdrehen?"

Er befummelt meinen neuen Schatz, spielt damit, ich weiss nicht, ob ich anfangen soll, verlegen zu werden, aber dann geht er entschlossen zu seiner "magic machine". So eine Drehbank (eigentlich heisst das Drehmaschine, aber die Profis unter uns haben ja auch keine Streckmaschine im Keller stehen...) ist eine feine Sache.

Das Werkstück rotiert, und mit einem kleinen Messerchen kann man ihm jede gewünschte Form geben, natürlich auch zentrische Löcher vergrößern. Sigi musste zwar über "das Scheiss V4A, da wird doch jeder Bohrer stumpf..." gehörig fluchen, aber mein Ringlein wurde zunehmend dünnwandiger, das heisst, innen größer. Zum Glück war das Teil wirklich sehr solide, da konnte schon ordentlich was weggedreht werden, ohne die Stabilität zu gefährden. Bloss: wieviel? 0,2 mm, 0,4 mm... (langsam wurde ich nervös, wegen des drohenden Rumschlackerns am Finger), bis Sigi die Maschine stoppte. "Genug?" .War das sein safeword?

Ausserdem, woher sollte ich das jetzt genau wissen? Aber jetzt konnte ich meinen Kleinen ja anprobieren. Allerdings durfte er, wie Sigi betonte, noch nicht ausgespannt werden, wegen des "Rundlaufens", falls eine weiter Bearbeitung von Nöten sein würde. Ein Profi!

Ich also, unter gehöriger Verrenkung, stecke meinen Finger in den Ring, und siehe: Er passt. Diesmal wirklich! Geht bequem über den Knöchel, drückt nicht, schlackert nicht, ich bin begeistert. Oh. ja! Finger wieder raus, heimfahren, freuen... Aber nun ging garnichts mehr. Ich saß in der Falle. Durch das Abdrehen hatte sich ein messerscharfer, zackiger Grat hinten am Ring gebildet, der alle Befreiungsversuche vereitelte. Da der Ring in der Maschine eingespannt war, hab ich das nicht gesehen. Sigi meinte grinsend "...ja, da könnte ein Grat sein, soll ich mal laufen lassen?" und griff schon nach dem Schalter der Maschine. Panik! Halt, stop, dachte ich, SSC ist das wohl nicht mehr! ("Nur so ein Spässchen..."), aber, für alle, die es nicht wissen sollten: der Finger wäre ab gewesen. Nein, so was hätte er natürlich nie gemacht, der alte Sigi. Der Ring wurde natürlich ausgespannt. Und dann zeigte der Ring, was er konnte. Ich zog. Soft. Fest. Wie verrückt. Ich drehte. Vorsichtig fester. Zu allem entschlossen. Ein mehrfaches richtig tiefes Cutting, rund um meinen Fingerknöchel, entstand, jede Menge Blut, aber abgehen wollte er immer noch nicht, trotz ständiger guter Tipps ("Du musst den drehen..."). Nur eines würde es nie geben: den Ring aufzusägen!

Die Seife oder was auch immer das für ein Zeug war, das die Befreiung schließlich unter höllischen Qualen doch ermöglichte, brannte fürchterlich, die Wunde ist jetzt toll entzündet, alle wollten wissen, was ich denn DA gemacht hätte. Aber, was soll ich sagen, nachdem der böse Grat am Ring dann doch mittels Feile abgemacht war, passte mein neue Zierde. Und zwar exakt. Ohne rumzuschlackern. 20,4 mm. Manche Sachen muss man sich eben doch verdienen. Ich denke allerdings, wenn ich mal Lust auf einen Plug oder Cockring aus Edelstahl verspüre, werde ich mir, falls Probleme mit der Passform auftreten sollten, etwas anderes einfallen lassen. :o)

(c) Harald

Anmerkung der Red.: Dank dem Autor, für diesen herzerfrischenden Erlebnisbericht und dafür, daß wir nun endlich wissen, was ein "echter SMer" ist ;o) Kleiner Tip: Ringgrössen bestimmt man am besten, in dem man zunächst einen passenden vorhandenen Ring ausmisst und dann möglicherweise bestellt bei: www.lustschmerz.biz

 

 
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