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Andrea von der LS Redaktion fragte die Initiatorin Angela Hochleitner von Blinddate-Security":
LS:Angela, Du hast zusammen mit Markus kürzlich einen "Blindate-Security" Service ins Leben gerufen. Warum? Was ist Euer Anliegen?
BS: Das "Warum" ergab sich aus Zufall. Einen solchen Dienst habe ich in einem Szenebereich entdeckt und mich gefragt "Das ist ein toller Dienst, warum gibts sowas nicht für alle Frauen, sondern nur im kleinen Kreis für eine Szene?". Dann begann ich zu recherchieren - es gab tatsächlich nichts derartiges. So haben wir dieses Rad also nicht erfunden, sind einfach nur die ersten, die es für den gesamten deutschsprachigem Raum anbieten um Frauen wie auch schwule Männer bei Blinddates zu covern.
LS: Ihr bietet hilfreiche Kontaktpersonen im ganzen deutschsprachigen Raum an. Wie werden diese Schutzengel ausgewählt, wie viel wisst Ihr über sie, welche Auflagen müssen sie erfüllen?
BS:Von den derzeitigen Schutzengeln kenn ich einige persönlich. Von jenen die wir nicht persönlich kennen haben wir die Personaldaten, sie müssen uns schriftlich versichern den Datenschutz einzuhalten, wir telefonieren mit ihnen und es gibt auch ein internes Forum in dem wir uns austauschen können.
Kritierien gibt es wenige: einfach ihre Zeit, ihr Interesse anderen zu helfen und absolute Verlässlichkeit. Anfangs durften es nur Damen sein, seit wir den Dienst auch auf die Homosexuelle Szene erweitert haben, auch Männer.
Wobei Frauen immer von Frauen, Männer immer von Männern gecovert werden. Ausnahmen davon nur auf ausdrücklichen Wunsch des/der Gecoverten.
LS:Der Service wurde für den Schutz von Frauen eingerichtet. Gerade im SM Bereich können aber auch Männer in Mißbrauchssituationen kommen. Könnt Ihr Euch vorstellen, künftig diesen Service auch Hetero-Männern anzubieten?
BS: In weiterer Folge wollen wir den Dienst eventuell auch noch für Männer anbieten. Derzeit haben wir die Kapazitäten nicht und so beschränken wir uns lieber vorläufig, statt es wirklich allen zu versprechen und es womöglich dann nicht halten zu können. Der Dienst läuft gut und mit viel Medieninteresse an. Wenn wir so wachsen wie wir uns das vorstellen, dann nehmen wir natürlich auch Männerschutz ins Angebot auf.
LS: Mal ganz praktisch: Ich möchte mich mit einem mir unbekannten Mann treffen. Wie nehme ich Euren kostenlosen Dienst in Anspruch?
BS: Du schreibst uns einfach eine Mail und wirst dann von uns angerufen. Danach machen wir uns aus ob du dich meldest oder wir dich anrufen sollen, zu welchen Zeiten und die Codewörter für "Hier läuft alles gut" (Das kann z.B. sein "Mir gehts gut") oder auch für "Hier läuft was schief" (Das könnte sein "Danke alles prima"). Danach gehst du einfach zu deinem Blinddate und im Hintergrund läuft alles so wie abgemacht.
LS: Was ist mit spontanen Aktionen? Ist ein "Schutzengel" auch innerhalb weniger Stunden zu bekommen?
BS: Wir sind gerade dabei auch einen kurzfristigen Dienst aufzubauen. Nachdem wir nicht ständig vor dem Computer sitzen, wird es da in weiterer Folge eher eine Telefonnummer geben, als daß wir das per Mail machen. Je stärker die Nachfrage ist, um so schneller wird es das geben - wir richten uns mit unserem Dienst völlig nach der Nachfrage der UserInnen.
LS:Ein Bespiel, das hoffentlich nicht eintrifft: ich gerate an den Falschen, die Situation eskaliert. Welche Chance habe ich nun durch meinen Schutzengel?
BS:Ihm zuerst mal mitteilen, daß du geschützt wirst, viele wird vermutlich dieses Wissen schon davon abhalten in irgend einer Form ausfällig zu werden. Im Hintergrund läuft, daß der Schutzengel sofort die Polizei verständigt und an den "Tatort" schickt. Diesbezüglich brauchen wir natürlich die Zusammenarbeit der Gecoverten. Er/Sie wird anfangs sowieso nach dem Treffpunkt gefragt aber es ist wichtig, daß er/sie uns auch mitteilt, wenn ein Lokalwechsel stattfindet, sonst ist auch uns keine Hilfeleistung möglich wenn wir nicht wissen, wo wir die Polizei hinschicken sollen.
LS: Im Notfall muß jeder Schutzengel polizeiliche Unterstützung anfordern. Wie ernst wird dieser Dienst von offiziellen Stellen genommen? Bekommt Ihr Unterstützung, auch in der Prävention?
BS: Wir haben diesbezüglich öffentliche Dienststellen wie die Bundespolizeidirektion, das Innenministerium in Österreich angeschrieben , und auch das BKA in München. Von offizieller Seite haben wir kein Feedback bekommen. Jedoch weiß ich aus eigener polizeidienstlicher Vergangenheit, daß die Notrufstellen der Polizei sehr schnell und kompetent reagieren und man keine große Überzeugungsarbeit leisten muss. Dort gilt die Devise: Lieber einmal zuviel ausgefahren, als einmal zu wenig.
Was wir in Zukunft weiters anbieten wollen, sind auch Beratungsgespräche mit einem Psychologen, der sich viel mit der Thematik "Missbrauch" auseinander setzt. Diesbezüglich sprechen wir gerade mit einem interessierten Psychologen.
LS: Herzlichen Dank für Eure Offenheit und Glückwunsch zu diesem sinnvollen Service! Gibt es noch etwas, das Ihr gerne loswerden möchtet? Wünsche, Anregungen?
BS: Danke. Ja einen Aufruf an die UserInnen: Selbst wenn ihr blinddate-security nicht in Anspruch nehmt, haltet euch bitte wenigst an gewisse Sicherheitsmaßnahmen wie "Treffen an öffentlichen Orten usw." oder lasst euch von Freunden covern. Im deutschsprachigem Raum ist bis dato noch nicht viel passiert. In der USA gab es bereits vor Jahren einen Mann der Frauen übers Internet lockte. 3 Leichen wurden bei ihm gefunden, das Verschwinden von bis zu 50 Frauen wird ihm angerechnet. Und Wahnsinnige sind Gottseidank nicht an der Tagesordnung, aber es gibt sie - nicht nur in der USA.
Der Blinddate Security-Service ist über folgende Adresse zu erreichen: http://www.blinddate-security.com
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