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Ein Gastbeitrag von Mauricius
Der Wunsch nach einer 24/7 Beziehung ist etwas, dass schon seit langem sehr stark mein Denken bestimmt. 24/7 heißt für mich nicht, dass ich pausenlos und dauernd den großen Meister mime, sondern dass ich die Möglichkeit habe, meine Partnerin ohne vorherige Absprache zu dominieren. Es heißt, dass ich der bestimmende und handelnde Part in der Beziehung bin. Dies gilt vor allem, aber nicht nur, für den sexuellen Bereich. Ich möchte mir also jederzeit die Freiheit herausnehmen können, mit ihr Sex oder SM zu haben, ohne dass ich es vorher genau mit ihr abspreche, und ich will SM mit ihr machen können, auch wenn sie gerade keine Lust hat. Ebenso wie ich Eingriffe in ihren Alltag vornehmen können möchte, wenn mir danach ist.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht mir nicht um eine devotes Frauchen, dass stets zu allem ja und amen sagt, weil sie jemanden sucht der ihr Leben regelt, sondern um eine starke Frau, die freiwillig Macht abgibt, weil ich mir diese verdient habe. Mir geht es eben darum, wirklich Macht zu haben. Immer und überall. Nicht immer sichtbar, aber immer vorhanden.
Soweit die Träume. In der Realität sieht die Sache oft leider etwas anders aus. Nach der anfänglichen sexuellen Euphorie wird der Alltag bestimmender und damit verfliegt natürlich der Zauber sehr schnell. Es ist nun mal schwierig zu erotisieren, welche Schrankwand man sich gemeinsam kauft. Auch die Frage, wer wann putzt ist nicht wirklich Lust fördernd. Sinn und Zweck einer Beziehung ist ja schließlich auch, dass man sich wechselseitig stützt und hilft. Dass man jemanden hat, dem man seine tiefsten Sorgen mitteilen kann und dem man das kleine Kind in sich zeigt. Jemand der Sicherheit und Geborgenheit gibt.
Wenn dies wechselseitig geschieht, dann ist es schwer die Konstruktion aufrecht zu erhalten, dass immer einer der beiden der Stärkere ist. Die Rollen verschwimmen, und es wird mehr und mehr zu situativen Rollenverteilungen kommen. Die Beziehung verliert dadurch natürlich einen Teil des erotischen Zaubers, aber das, was man dazugewinnt, ist Sicherheit und Geborgenheit. Der Aktive ist nicht mehr gezwungen, ständig den "Herrn und Meister" oder die "Große Domina" zu spielen.
Wenn man unbedingt in einer 24/7-Beziehung leben will, so sollten beide Seiten bereit sein, auf einiges zu verzichten. Das ganze kann m.E. nur gelingen, wenn man sich als Top einen Partner sucht, der einem auch wirklich unterlegen ist. Wenn es ein reales Ungleichgewicht gibt und einer wirklich klüger, reicher, umsichtiger, vorausdenkender als der/die andere ist.
Ich denke, dass sich in einem solchen Fall eine Beziehung auch permanent 24/7 führen lassen würde. Die Frage ist nur: Will ich als Aktiver einen Partner, der mir nicht auch mal sagt, wo es lang geht? Der nicht mein engster Berater ist? Der immer bewundernd zu mir aufschaut, anstatt mir mal den Kopf zu waschen?
Ich halte so eine Beziehungsform für möglich, aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man in einer solchen Beziehung auch auf vieles verzichten muss, was eine Beziehung schön macht. Ich möchte dies nicht verurteilen, dazu ist für mich die Vorstellung viel zu reizvoll. Ich gebe aber zu bedenken, dass eine Beziehung mit einem Partner, der einem real unterlegen ist, auch sehr schnell langweilig werden kann. Denn schließlich ist es ja auch die Reibung in einer Beziehung und die Kritik des Partners, die uns wachsen lässt.
Wahrscheinlich ist eine 24/7 Beziehung nur möglich, wenn der/die Sub der/dem Aktiven ganz leicht unterlegen ist, d.h. sich fast auf Augenhöhe mit dem Top befindet, aber eben nur fast. Nur wie schon erwähnt, wird man in dieser Beziehung auf ein paar Dinge verzichten müssen, die man in einer gleichberechtigten Konstellation bekommt. Alles hat seinen Preis...
Durchaus eine Gefahr, die man in solchen Beziehungsformen nicht ausblenden sollte ist die, dass sich die/der Passive möglicherweise einen Partner sucht, der sein Leben für ihn regelt, und der/die Aktive versucht, den Therapeuten zu spielen. Ist ja auch einfach, das Leben von anderer Seite geregelt zu bekommen. Allerdings halte ich so etwas für ungesund und denke auch, dass es auf Dauer die Erotik tötet, auch wenn die Grenzen natürlich immer fließend sind.
Eine weitere Möglichkeit für eine 24/7 Beziehung sehe ich, wenn man sich als Aktiver für eine Zweitbeziehung entscheidet. Man sucht sich einen unterlegenen Partner und versucht, aus dieser Beziehung den Alltag herauszuhalten. Idealerweise wird der Aktive vom Passiven einseitig geliebt, so dass bereits hier ein Ungleichgewicht besteht. Die moralische Seite allerdings muss dann jeder mit sich selbst ausmachen. Und dass Polybeziehungen nie einfach sind, sollte inzwischen jeder schon einmal gehört haben.
Also ich denke, dass 24/7-Beziehungen möglich sind, wenn man den passenden Partner findet, aber ich denke, dass der Preis dafür sehr hoch ist. Ob man ihn zahlen möchte, das kann nur jeder für sich beantworten.
© Mauricius
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