Contra 24/7 - No "SM around the clock"


Ein Gastbeitrag von Tina

Da war es wieder - dieses Thema, von dem ich dachte, daß es überflüssig sei sich darüber Gedanken zu machen, da es für mich als Lebensform sowieso nicht in Frage kommt. Aber jetzt, da es mir in letzter Zeit öfter untergekommen ist, möchte ich ein paar Zeilen dazu loswerden.

Nun, man kann über 24/7 denken was man will, fest steht jedoch für mich, daß es für diese "Glaubensrichtung" von SM ganz spezieller psychischer Eigenschaften bedarf um sie in die Tat einzusetzen. Denn, so reizvoll festgelegte Rollen für eine gewisse Zeit (sagen wir mal: ein Wochenende oder für die Dauer eines Sklavenvertrages) sein können, so langweilig müssen einem solche eingefahrenen Verhaltensinuster doch auf die Dauer erscheinen, oder?

Es gehört schon eine große Portion Konsequenz, Durchhaltevermögen und vielleicht auch ein bißchen Besessenheit dazu, um diese Art zu leben auf lange Sicht durchzuhalten und - nach Möglichkeit - zu genießen. Und da fängt's bei mir schon an zu hapern: mir fehlt die Ernsthaftigkeit zu dieser Art von Selbstaufgabe, ja, ich behaupte sogar, ich nehme den ganzen Bereich SM nicht wichtig genug um ihn wirklich 24 Stunden und 7 Tage in der Woche lang ständig zu zelebrieren. Für mich wäre 24/7 ein Eingriff in mein Leben, den ich weder als Aktive noch als Passive hinnehmen könnte. Zu groß sind meine Ängste hinsichtlich bleibender Schäden in meiner Psyche.

Grundlose Hysterie? Vielleicht. Bisher konnte mich jedenfalls noch niemand hinreichend davon überzeugen, dass das ewige (Aus-)Leben von SM keinerlei Einfluss auf mein geistiges Befinden hat. Die künstliche Aufrechterhaltung von Machtverhältnissen in allen Lebensbereichen sowie deren Konsequenzen für mein Verhalten sowie das meines Partners hat für mich etwas äußerst Erschreckendes. Selbst wenn ich Gefallen an so einer Art von "Fulltime-SM" finden würde, wäre ich ständig um die geistige Gesundheit meines Partners und meiner eigenen Person besorgt, könnte also wahrscheinlich nie die Erfüllung in dieser eigenwilligen Art von Lebensführung finden, obwohl entsprechende Lebensgemeinschaften sie als harmonisch und befriedigend beschreiben.

Trotz der zugegebenermaßen großen Faszination, die diese „Spielart" auf immer mehr SM­Praktizierende ausübt, bleiben doch noch etliche Fragen offen: sollen wir wirklich die Grenzen des zeitlich begrenzten Spiels verlassen und uns in den weiten und unbekannten Bereich vorwagen, in dem SM alles ist was zählt? Mit welchen Erwartungen sollen wir uns auf so ein Abenteuer einlassen? Und überhaupt, wie wichtig ist uns SM eigentlich und was sind wir bereit, dafür zu opfern? Alles Fragen, die wohl nur jeder für sich selbst beantworten kann und unbedingt sollte, bevor er sich für "SM around the clock" entscheidet.

(c) Tina

 

 
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